Kong: Skull Island in der Filmkritik: Affentheater auf der großen Kinoleinwand

Hold on to your Butts!

Dieser Satz, ausgesprochen von Samuel L. Jackson in Jurassic Park, ist sicher noch vielen in guter Erinnerung.
Exakt denselben Satz sagt er auch in Skull Island, dem lange ersehnten Reboot der King Kong Reihe.
Und das ist kein Zufall. So finden sich auch Anspielungen auf Godzilla, wenn John Goodman erklärt, die Atombombentests im Südpazifik waren keine Tests, sondern Versuche etwas zu töten.
Der Film hält auch Anspielungen auf Indiana Jones, Apocalypse Now und wenn ich nicht Irre sogar auf Star Wars bereit. Aber ich möchte sie nicht alle verraten.

Nach dem Prolog, in dem wir sofort mit der beeindruckenden Größe King Kongs konfrontiert werden, landen wir im Washington der 70er. Demos gegen den Krieg, Hippies, verbohrte Politiker, alles ist dabei.

John Goodman, ein "verrückter Wissenschaftler" möchte mit seiner Organisation "Monarch" auf Expeditionsreise gehen. Und diese Reise soll, wie sollte es auch anders sein, nach Skull Island führen. Wer nun als Fan von Monstermovies bei dem Namen Monarch stutzt: Ja, das ist die selbe Firma die auch schon im GodzillaReboot 2014 eine Rolle spielte und damit gewissermaßen ein Bindeglied zwischen beiden Filmen darstellt. Skull Island spielt also im selben Universum wie das 2014er Remake von Godzilla.

 

Ich erspare mir nun die Schilderung des weiteren Verlaufes des Films, um Spoiler zu vermeiden. Unnötig zu sagen dass die Wissenschaftler und deren militärischen Begleiter nicht alle lebend die Insel verlassen werden.

Affenzirkus made by Hollywood: Kong [Quelle: Warner]
Affenzirkus made by Hollywood: Kong [Quelle: Warner]

 

King Kong lebt!

King Kong ist einfach atemberaubend. Während er im Remake aus dem Jahre 2005 noch als sehr groß gewachsener Gorilla dargestellt wurde, ist aus Kong in diesem Reboot ein Riesenaffe geworden, der sich ausschließlich auf zwei Beinen bewegt.

Es ist der größte King Kong den es je in einem Film gab und auch wenn der Kong aus 2005 nahezu perfekt dargestellt wurde die 12 Jahre der Weiterentwicklung im Bereich CGI machen sich einfach bemerkbar. Kong ist lebendig. Und nicht nur er, auch die „Schädelkriecher“, die riesigen Bisons und eine Mega-Spinne, eine Riesenkrake… All diese Fantasietiere sind so realistisch dargestellt, wie es die neueste Computeranimation erlaubt. Skull Island wird so zu einer lebendigen Umgebung und wirkt in sich stimmig.
Dafür sorgen auch die musikalische Untermalung sowie die teils grandiose Kameraführung und die Gewaltigkeit der Bilder, wie die Army Helikopter, die auf die Umrisse von Kong zufliegen, die eine gewaltige Silhouette vor der untergehenden Sonne von Skull Island bildet.

Kein Highlight, aber auch nicht zum Davonlaufen: Skull Island im Kino[Quelle: Warner]
Kein Highlight, aber auch nicht zum Davonlaufen: Skull Island im Kino[Quelle: Warner]

 

Action vor Drama

 

Skull Island bewegt sich als Film in einem ganz anderen Territorium als sein Original und seine beiden Remakes,und das war auch zu erwarten. Schließlich handelt es sich diesmal um einen Reboot, einen kompletten Neustart des King Kong Universums.
Es gibt keine Liebesdramen, auch keine speziesübergreifende. 
Skull Island nimmt sich selbst nicht so ernst wie es zum Beispiel das fulminante Epos von Peter Jackson tat. Im Vordergrund steht ganz klar eines: Ich bin ein verflucht großer Affe und ich mache alles platt was mir nicht wohlgesonnen ist. So trifft Kong auf tierische und menschliche Gegenspieler und ich verrate sicher nicht zu viel wenn ich sage dass Kong diesmal der Gewinner ist.
Schließlich ist es mittlerweile mehr als nur ein offenes Geheimnis, dass nach dem „Godzilla“ Reboot aus 2014 und dem für 2019 geplanten Nachfolger „Godzilla 2: King of Monsters“ im Jahre 2020 das Aufeinandertreffen beider auf die Kinoleinwand kommen soll: „Godzilla vs. King Kong“.
Für dieses Projekt brauchte man einen großen, starken und letztendlich überlebensfähigen King Kong. Und hier ist er!

Ob Affengerippe oder Drehbuch, an beiden ist wenig Fleisch dran  [Quelle: Warner]
Ob Affengerippe oder Drehbuch, an beiden ist wenig Fleisch dran [Quelle: Warner]

 

Keine Kompromisse!

 

Schauspielerisch setzt King Kong auf Schauspieler, mit denen nichts schief gehen kann.
John Goodman und Samuel L. Jackson, beides herausragende Schauspieler unserer Generation.
Diese beiden haben die Fähigkeit, jede Szene in denen sie auftauchen zu 100% an sich zu reißen, auch wenn sie nur durchs Bild gehen. Wenn Jackson mit geballten Fäusten hinter der untergehenden Sonne vor Kong steht, der sich vor ihm aufgebaut hat, kann einem schon kurz der Atem stocken.
Auch wenn das Drehbuch beiden Protagonisten nicht viel gibt womit sie arbeiten können. John Goodman könnte auch aus der kleinen Raupe Nimmersatt zitieren und würde damit das Publikum fesseln.
Auch John C. Reilly fügt sich sehr gut in diese Riege ein und erweist sich als –sofern es für diese Rolle möglich ist- als sehr authentisch und sorgt für die wenigen Lacher im Film. Ab und an erinnert er fast an Herman Toothroth aus Monkey Island.

 

Fazit

Die oben erwähnten schauspielerischen Leistungen können leider nicht über das magere Drehbuch und die mehr als vorhersehbare Story des Films hinwegtäuschen. Ich bin mir nicht sicher ob es so gewollt war, oder ob es am schlechten Drehbuch liegt, aber zu keiner Zeit entwickelt man so etwas wie Sympathie oder wenigstens Antipathie gegenüber den Figuren. Sie sind austauschbar und tatsächlich versuche ich mich gerade an den Namen von nur einem einzigen Protagonisten zu erinnern - ohne Erfolg. Kein Kapitän Engelhorn und kein Carl Denham, keine Ann Darrow. Es bleibt zu vermuten, dass wir keinen der Darsteller in einem weiteren King Kong Film sehen werden.
Es bleibt ein Film, der mehr durch beeindruckende Bilder und reichlich Action punktet und sicherlich wird das den Fan der klassischen, tragischen Figur des Kong, dem Biest das durch die Schönheit zerstört wird nicht gefallen.

Ich persönlich, als jemand der JEDEN King Kong Film (auch die japanischen B-Movies) gesehen hat und den Originalfilm aus 1933 schon fast wörtlich mitsprechen kann, finde aber genau diesen Ansatz gut und erfrischend neu.

Das Kong Universum hat einen Reboot erhalten und alles steuert auf die Mutter aller Monster-Clashes zu. Den ultimativen Kampf der zwei größten und ikonischsten Monster der Filmgeschichte. (SM)

 


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