Das Malbuch für Nerds im Just-Nerds Test: Malbuchtrend trifft Nerd-Kultur

Quelle: GRIN Verlag
Quelle: GRIN Verlag

Erinnert ihr euch an früher? Ganz früher? Bevor ihr wusstet was Zocken ist. Damals waren unter anderem auch Malbücher der absolute Renner. Selbst als völlig untalentiertes, nicht Waldorf-Kindergarten-Kind konnte man, etwas Geduld vorausgesetzt, ein einigermaßen vorzeigbares Bild schaffen. Dieses Feeling möchte der in München ansässige GRIN-Verlag nun aufgreifen und auch für Erwachsene erneut erlebbar machen mit dem Malbuch für Nerds. Nostalgie oder rausgeworfenes Geld? Wir verraten es euch im Test.

Manche Bilder sind eindeutig ihrer "Vorlage" zuzuordnen. [Quelle: GRIN Verlag]
Manche Bilder sind eindeutig ihrer "Vorlage" zuzuordnen. [Quelle: GRIN Verlag]

Malbücher, wer kennt sie nicht aus seiner Kindheit. Meist waren es Motive aus bekannten Kinderbüchern oder Serien die wir damals, mehr oder minder geduldig, ausgemalt haben. Manchmal vorlagengetreu, manchmal waren Benjamin Blümchen und Co auch mal grün statt grau. Der bekannte selfpublishing-Verlag GRIN aus München möchte nun dieses Erlebnis erneut wachrufen mit dem Malbuch für Nerds.

Die Fakten:

Auf 33 Din A5 Seiten, mit Spiralbindung, finden sich diverse Motive die mehr oder weniger der Nerd- und Geekkultur entliehen wurden, gegliedert nach Themenbereichen wie „Film und Fernsehen“, „Aliens“ oder „Roboter“. Die Motive unterscheiden sich dabei zwischen recht einfachen großflächigen Bildern bis zu „frickeligen“ Bildern die beinah wie ein schwarzweiß-Bild wirken und eigentlich keiner zusätzlichen Kolorierung bedürfen.

Schlägt man das Buch auf findet man auf der linken Buchseite ein kariertes Notizblatt und auf der rechten Seite die entsprechenden Ausmalmotive. Der Verlag bewirbt das Malbuch auch als „mit Notizbuchfunktion“.

Ins Auge stach uns dabei die hochwertige Papierqualität. Die Seiten fühlen sich dick und stabil an und selbst beim Test mit Edding drückte nichts durch, außer man legte es darauf an. Zum Ausmalen der Vorlagen nutzen wir sowohl Filzstifte als auch die allseits bekannten Stabilo-Point-Farbstifte, und natürlich den klassischen Buntstift. Letzterer konnte uns aber nicht so ganz überzeugen da das verwendete Papier zu glatt war und damit wohl eher auf Filz- und Tintenstifte ausgelegt zu sein scheint.

Für unseren Test haben wir uns auch erlaubt verschiedene Zielgruppen mit einzubeziehen. Im Klartext: Wir haben das Malbuch ein paar Kindern im Alter von 3 bis 15 Jahren vorgelegt. Dabei zeigte sich auch ein Problem des Nerd-Malbuchs. Die Kleinsten konnten nicht wirklich etwas damit anfangen weil die Motive selten kindgerecht waren und eben beim direkten Vergleich mit „reinen“ Kindermalbüchern zu kleinformatig. Bei den etwas älteren Kids, so um das Einschulalter herum, war die Motorik etwas weiter entwickelt. Das Format war hier kein Problem jedoch nach wie vor der Bezug zu den Motiven. Da man keine Lizenzbilder verwendete stellte sich eben die Frage: Warum ein Malbuch mit etwas was aussieht als könnte es Star Wars sein, wenn es doch auch ein echtes Star Wars Malbuch mit Originalmotiven gibt? Außerdem sorgte die Notizbuchfunktion für Verwirrung: „Soll ich auf der freien Seite selber was malen oder warum ist da nix drauf“. Das Urteil der 15jährigen war wie zu erwarten vernichtend: Malbuch? Kinderscheiß! In dem Alter ist halt alles uncool wo nicht Playstation, Apple oder Xbox drauf steht, so unsere Vermutung.

Bei anderen erschließt sich uns der Nerd-Bezug nicht [Quelle: GRIN-Verlag]
Bei anderen erschließt sich uns der Nerd-Bezug nicht [Quelle: GRIN-Verlag]

Zugegeben, unsere Testkids sind natürlich alles andere als repräsentativ. Trotzdem zeigt sich ein wenig das Problem dass auch wir alten Hasen mit dem Nerdmalbuch hatten. Während manche Motive durchaus liebevoll wirken und unser Nerdherz zum Lächeln brachten, hier sei zum Beispiel die Motivauswahl zu Douglas Adams oder Retrogaming genannt, während andere Motive schon beinah lieblos wirkten. Fast als hätte man jemand gesagt „Google mal eben Nerdtum und Geek und kopier dann ein paar Motive aus der Bildersuche“. Hier hätten wir mehr Liebe zum Detail erwartet und auch mehr „Herausforderung“ mit komplexeren, gerne auch großformatigen Motiven im Stil von Malen nach Zahlen. Die Notizbuchfunktion konnte da leider auch nicht so wirklich überzeugen denn wenn man mal einen durchschnittlich mitschreibenden Studenten annimmt dann sind bei 34 DIN A5 Seiten wohl 2-4 Bücherkäufe pro Vorlesungswoche fällig. Sprich 34 Seiten sind als Notizbuch einfach zu schnell voll. Ein reines Notizbuch mit einem kleinen Ausmalmotiv an der Seite als „Langeweile-Killer“ und doppelter Anzahl Notizbuchseiten wäre hier eventuell die bessere Variante gewesen. So bleibt leider ein wenig die Frage im Raum stehen wer denn genau die Zielgruppe sein soll. Für Kinder gibt es deutlich bessere Alternativen, für Erwachsene hätte ein Notizblock mit kleinen Langeweile-ausmal-Motiven wohl besser funktioniert. Auf den Versuch in einer Redaktionskonferenz oder einem Meeting das Malbuch und die Buntstifte auszupacken haben wir übrigens verzichtet da dies wohl neben verständnislosen Blicken sicher auch zu einem eher unangenehmen Gespräch mit dem Chef geführt hätte.

 

Für wen also ist das Malbuch für Nerds denn nun?

Als kleine Aufmerksamkeit zu Nikolaus, fürs Bürowichteln oder um einem Nerd im Freundeskreis eine kleine Aufmerksamkeit zukommen zu lassen können wir uns das Malbuch für Nerds  sehr gut vorstellen. Ebenso als Kleinigkeit für die Kids, dann aber eher mit dem Blickpunkt auf der Notizbuchfunktion oder als Hausaufgabenheft in der Schultüte.

Mehr Infos zum Malbuch für Nerds und Lese- oder besser Ausmalproben zum Download und Ausdruck findet ihr auf folgender Website: Das Malbuch für Nerds


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