War Dogs in der Filmkritik: Der Krieg kennt keine Gewinner...


...nur Verlierer.

Auf dem Schlachtfeld mag dass stimmen, hinter PC Monitoren und am Steuer von Luxuskarossen sieht man dass allerdings anders - Zumindest solange man sich im Rahmen der Gesetze oder maximal in deren Grauzone bewegt.

 

Ganz sicher kein Gewinner ist David, Anfang 20, Masseur im Miami des Jahres 2005. Das Geschäft läuft eher schleppend, er wird von einen männlichen Kunden sexuell belästigt und auch seine Investition in hochwertige Bettlaken, die er gewinnbringend an Altersheime verschachern will, erweist sich als Fiasko.

David lebt im Wissen und unter dem Druck, dass ihm bald etwas einfallen muss um Geld zu verdienen. Nicht nur für sich, sondern auch für seine Frau und des zu erwartenden Nachwuchses.

Bei einer Beerdigung trifft David auf seinen alten Highschool-Buddy Efraim Diveroli, der sich in Sachen Waffen-Export Selbständig gemacht hat. Damit beginnt die verrückte Geschichte der als „War Dogs“ bekannt gewordenen Geschäftsführer des Unternehmens „AEY Inc.“.

Jonah Hill kann mehr als nur Ulknudel, wer hätte dass gedacht. [Quelle: Warner]
Jonah Hill kann mehr als nur Ulknudel, wer hätte dass gedacht. [Quelle: Warner]

Efraim hat es sich zunutze gemacht, dass das amerikanische Militär dazu überging, ihre Aufträge im Internet auszuschreiben. Während sich die Rüstungskonzerne Lockheed Martin, BAF Systems und Konsorten um die Milliarden-Ausschreibungen für Marschflugkörper, Panzer und Kampfjets streiten, schöpft Efraim mit seiner Briefkastenfirma die kleinen Aufträge für Handfeuerwaffen und Munition am unteren Ende der Liste ab und verdient auf diese Weise in wenigen Monaten 6-Stellige Summen.

David kommt diese Gelegenheit natürlich mehr als Recht und er steigt in das Geschäft seines Freundes ein. Eine neue Ausschreibung, die mitten in der Nacht im Portal des Pentagon aufpoppt, hält David erst für einen Tippfehler. Jedoch handelt es sich dabei um die Ausschreibung für verbündete Truppen in Afghanistan.

Mit Dollar-Zeichen in den Augen schließen sie auf einer Rüstungsmesse kurzer Hand einen Deal mit Henry Girard ab, gespielt von Bradley Cooper, einem gesuchten Waffenschieber, der für öffentliche Aufträge des Pentagons gesperrt wurde.

 

Efraim der Waffenschieber, grandios gespielt von einem Jonah Hill in Bestform (schauspielerisch, nicht körperlich) nimmt den Zuschauer mit auf eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Soll ich den Typen jetzt total geil finden oder soll ich ihn hassen? Diese Frage stellt sich der Zuschauer sicherlich mehrmals im Film. Denn obwohl Efraim stets sympathisch erscheint und mit jedem auszukommen vermag, stellt man im Verlaufe des Filmes mehr und mehr fest welch durchtriebener und manipulativer Mensch er eigentlich ist. Nicht umsonst wurde Hill für die Rolle für einen Golden Globe nominiert.

Erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist. [Quelle: Warner]
Erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist. [Quelle: Warner]

Schier unglaublich erscheint, dass der Film War Dogs auf einer wahren Begebenheit beruht. Nicht nur die Firma AEY hat tatsächlich existiert, bzw. existiert nach wie vor, auch David Packouz und Erfaim Diveroli sind reelle Personen und ihre Geschichte wurde sogar relativ detailgetreu im Film verarbeitet. War Dogs verzichtet strikt darauf sich als Anti-Kriegsfilm oder gesellschaftskritisches Machwerk zu positionieren. Viel eher versucht Regisseur Todd Phillips (Hangover) in einer größtenteils sehr humorvollen aber spannenden Art und Weise eine Aufarbeitung der (damaligen) Missstände in der Auftragsvergabe des Pentagons aufzuzeigen, die von zwei bekifften Twens ohne Erfahrung Waffen und Munition für einen Krieg kaufen.

 

Fazit

Das Leben schreibt noch immer die besten Geschichten

War Dogs ist mit seinen 114 Minuten fast ein bisschen kurz geraten. 20 Minuten Verlängerung hätten dem Film sicherlich gut getan. Das Zerwürfnis von David und Efraim sowie die Familienkrise im Hause Packouz wirkt sehr überhastet. Hier hätte sicherlich ein wenig mehr Tiefgang nicht geschadet um mehr über diese Krisen und den Umgang mit diesen durch die Protagonisten zu erfahren.

Nichts desto trotz. War Dogs überzeugt durch gute bis sehr gute schauspielerische Leistungen, kurzweilige Handlungsstränge, gutes Setting und eine wirklich unglaubliche – da wahre - Geschichte um zwei junge Amerikaner, die sich mit dem Afghanistankrieg eine goldene Nase verdienten.(SM)

 

Disclaimer: Diese Filmkritik wurde uns freundlicherweise vom Gastautor Menirules (der echte Name ist der Redaktion bekannt) zur Verfügung gestellt. Vielen Dank. Ihr wollt euch auch auf Just-Nerds.de verewigen? Dann schreibt uns über unser Kontakformular


Kommentar schreiben

Kommentare: 0