Star Wars - Das Erwachen der Macht in der Filmkritik: Gesehen haben diesen Film, sollte man?

Quelle: Disney
Quelle: Disney

10 Jahre Wartezeit mit Clone Wars als einziger Ersatzdroge. Die Befürchtung auf einen zweiten JarJar Binks. Die Angst vor einer Musicalnummer mit tanzenden und singenden Ewoks. Das Verheizen eines vielversprechenden Antagonisten. Dazu quasi nur neue Figuren als tragende Hauptrollen. Mit Disney ist ein ganz neuer „Headliner“ am Start. Grund genug dem Beginn der dritten Trilogie eine Portion Skepsis entgegen zu bringen. Wir haben uns den Film trotzdem angeschaut und verraten euch nun, spoilerfrei, ob sich der Kinogang für echte Nerds (und natürlich auch alle anderen) lohnt.

Hat die besten Tage hinter sich - Darth Vader [Quelle: Disney]
Hat die besten Tage hinter sich - Darth Vader [Quelle: Disney]

 

Was Neues...

 

Wir hatten es ja bereits im Reviewpodcast angedeutet, es ist verdammt schwer eine Filmkritik zu Star Wars zu schreiben, genauer gesagt die Handlung zu beschreiben, ohne zu spoilern. Wir geben euch trotzdem erst mal einen kleinen Handlungsabriss. Keine Sorge, wenn ihr die Trailer kennt erfahrt erfahrt ihr erst mal nichts Neues. Star Wars – Das Erwachen der Macht setzt knappe 30 Jahre nach dem Ende von Episode 6 ein. Das Galaktische Imperium wurde zerschlagen. Leider erhob sich aus der Asche des Imperiums eine neue Gruppierung namens Die 1. Ordnung (unglücklich übersetzt aus The 1st Order). Diese werden angeführt vom mysteriösen Supreme Leader Snoke (verkörpert von MoCap-Profi Andy Serkis). Dessen Handlanger sind neben der Sturmtrupplerin Captain Pashma und dem ehrgeizigen Offizier General Hux auch der machtbegabte Kylo Ren. Dieser erinnert von der ersten Minute an den Überbösewicht Darth Vader, welcher von Kylo laut den Trailern auch kultisch verehrt wird. 

Nein dass ist kein AT-AT und zum Glück auch kein CGI [Quelle: Disney]
Nein dass ist kein AT-AT und zum Glück auch kein CGI [Quelle: Disney]

Auf der Gegenseite haben wir die friedliebende Republik und die Rebellen, die nach wie vor gegen die Überreste des Imperiums kämpfen. Erfreuliche Tatsache bei Episode 7: Ihr werdet keine Sekunde mit Handelszöllen und sonstigem politischem Geraffel eingeschläfert. Die Rebellen werden tatkräftig vertreten vom ehemaligen Sturmtruppler Finn. Dieser bleibt leider in Episode 7 noch recht blass, wir haben aber vollstes Vertrauen darauf dass sich dass bereits in Episode 8 ändern könnte. Der zweite im Bunde ist der Rebellenpilot Dameron Poe. Dieser erinnert von Beginn an an wenig an eine Mischung aus Han Solo und Wedge Antilles. Fakt ist, Poe ist ein begnadeter X-Wing-Pilot und gewinnt mit seiner herzlichen Art durchaus den Sympathie-Award der Nebenrollen. Der Reigen wird komplettiert von der jungen Schrottsammlerin Rey. Dies schlägt sich auf Jakku mit dem Auschlachten alter Schiffswracks durchs Leben und wartet auf die Rückkehr ihrer Eltern, die sie vor Jahren dort zurück ließen. An dieser Stelle wollen wir ein dickes Lob für Rey-Darstellerin Daisy Ridley aussprechen. Wir kannten die Jungdarstellerin bislang ehrlich gesagt nicht, aber J.J. Abrams hat hier eine perfekte Wahl getroffen und gezeigt dass der Mut zu neuen Gesichter, wie anno 1976 als George Lucas den unbekannten Harrison Ford als Hauptrolle besetzte, belohnt wird. Rey gewinnt von Anfang an die Sympathie des Publikums und man freut, lacht und leidet mit ihr, ja man verzeiht ihr sogar ein absolutes Sakrileg – keine Angst, ihr werdet es erkennen wenn ihr es hört. Perfekte Besetzung.

Gealtert aber immer noch gut - Han und Chewie [Quelle: Disney]
Gealtert aber immer noch gut - Han und Chewie [Quelle: Disney]

 

Was Altes...

 

Natürlich wäre Star Wars nicht Star Wars ohne verbindende Figuren. Hier verschont uns Disney zum Glück mit einer Rückkehr von Jar Jar Binks. Stattdessen läuft alles aus was seit dem Ende des Imperiums im Universum Rang und Namen hat. Harrison Ford, zwar optisch gealtert aber nach wie vor mit dem typischen Schlitzohrcharme, verkörpert einmal mehr den Schmuggler und ehemaligen Rebellengeneral Han Solo. Natürlich wäre Solo nicht komplett ohne seinen Co-Pilot Chewbacca und wie bereits in der Originaltrilogie sind die Dialoge zwischen den beiden einfach brillant....wobei Dialog eher mit Anführungszeichen zu sehen ist oder sprecht ihr Kyhhhsik? Natürlich treffen wir auch auf Prinzessin, entschuldigt bitte, General Leia Organa. Leider sieht man Carrie Fisher ihre Alkohol und Medikamentenexzesse an. Nichts desto Trotz entsteht zu keiner Sekunde der Eindruck „die alten Darsteller machen dass nur wegen der Kohle oder nochmal 5 Minuten Ruhm“, im Gegenteil. Die alten Herren zeigen eine Spielfreude und stehen damit ihren jungen „Konkurrenten“ in keiner Sekunde nach. Dabei spürt der Zuschauer einfach dass die Chemie nicht nur zwischen den neuen Star stimmt, sondern beim gesamten Cast.

Nur einer von vielen Gänsehautmomenten - Eine Staffel X-Wings im tiefen Anflug [Quelle: Disney]
Nur einer von vielen Gänsehautmomenten - Eine Staffel X-Wings im tiefen Anflug [Quelle: Disney]

Was sonst noch...

 

Mehr wollen wir zur Handlung und den Darstellern an dieser Stelle nicht verraten. Generell spielt die Handlung eine eher untergeordnete Rolle. Disney bzw. J.J. Abrams konzentriert sich hier in erster Linie auf die Entwicklung seiner Charaktere. Dass kann man nun natürlich kritisieren, gerade wenn man mit Star Wars eher weniger am Hut hatte bislang, aber als Fan und Nerd hat uns diese Herangehensweise sehr gut gefallen. Einen ebenso gewichtigen Punkt nimmt der Fanservice ein. Gerade zu Beginn hatten wir die Befürchtung es könnte schon fast zu viel sein, denn die Grenze von Hommage/Fanservice zur schlichten Nacherzählung ist dünn, aber auch hier bekommt der Film gekonnt die Kurve und bietet so eine gute Mischung aus Hommage und Neuem auch wenn manche Szenen durchaus wie ein „HD-Remake“ wirken. Dabei wirkt der Film mit seinen 136 Minuten Laufzeit zu keiner Zeit langweilig.

Erinnert an Apocalypse Now - nicht zu Unrecht [Quelle: Disney]
Erinnert an Apocalypse Now - nicht zu Unrecht [Quelle: Disney]

Es gibt keine Längen und es wirkt nicht gepresst um möglichst viel in einem Film unterzubringen oder gestreckt um möglichst drei Filme voll zu bekommen. Wir sind jedenfalls gespannt wie es mit den Rebellen und der Ersten Ordnung weitergeht.

 

Technisch ist Star Wars 7 über jeden Zweifel erhaben. Wo man zuletzt in Episode 1-3 noch dem CGI-Overkill frönte kehrt Disney mit Teil 7 der Sternenkriegsaga auch technisch wieder zurück zu den Wurzeln. Klar gibt es nach wie vor reine CGI-Kreaturen (Supreme Leader Snoke) aber man setzt auch wieder mehr auf Handwerk und spektakuläre Szenerien. So fanden die Dreharbeiten neben den Pinewood Studios auch auf Island und in Abu Dhabi statt. Auch der Sound weiß zu überzeugen. Als der erste Tie-Jäger mit dem charakteristischen „Schrei“ durchs Bild rast stellten sich uns direkt die Nackenhärchen auf – so muss dass sein. (SH)

 

Fazit

 

Neuer Rechteinhaber + neue Darsteller = gelungener Neustart?

Ich war sehr skeptisch vor dem Kinobesuch. Eine neue Darstellerriege? Disney als neuer Rechteinhaber? Das Grauen und die Angst vor einem zweiten Jar Jar und Jung-Ani noch in den Knochen war die Spannung groß. Also rein ins Kino, Licht aus – Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis – Fanfare – Gänsehaut...so in etwa liefen die ersten Sekunden im Kino ab. Nach dem Film muss ich feststellen: die Angst war umsonst. Disney hat sich wieder auf das Wesentlich besonnen was die alte Trilogie ausmachte und keine Experimente gewagt. J.J. Abrams nimmt sich Zeit für seine Figuren (auf Kosten der Handlung) und statt Stakkatoschnitte wie zuletzt in Star Trek nimmt er oft auch mal das Tempo raus. Episode 7 bietet eine gute Mischung aus Fanservice und Neuem, und zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht, gefolgt von Gänsehaut, herzhaftem Lachen und ja, auch das eine oder andere Tränchen drückte sich in den Augenwinkel. Für Star Wars Fans ist Das Erwachen der Macht ein Must-See, für alle anderen ist es sehr gutes Kinomärchen im Sci-Fi-Gewand mit der richtigen Mischung aus Action, Humor und Spannung garniert mit dem einen oder anderen Twist. Müsste ich eine Einordnung vornehmen würde ich Episode auf Platz 2-3 der besten Star Wars Filme aller Zeiten einordnen. Er erreicht nicht ganz meinen Liebling (Das Imperium schlägt zurück) aber er steckt die neue Trilogie locker in die Tasche. Danke Disney, Danke J.J. Abrams – Möge die Macht mit euch sein.

(SH)


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Movie-Podcast #1
10 Jahre mussten wir auf einen neuen Star Wars Teil warten....haben Jar Jar Binks ertragen...haben Clone Wars als "Ersatzdroge" genutzt...und wofür? Dafür? Danke Disney.
Moviepodcast #1 Star Wars - The Force Aw
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