Fantastic Four in der Filmkritik: Vier gewinnt... hier keinen Blumentopf

Quelle: Constantin Film
Quelle: Constantin Film

Die Fantastischen Vier, eine der ersten deutschsprachigen Hip-Hop Kombos... Nein, Halt! Hier geht es nicht um Schwabenrapper sondern um die Neuverfilmung von Marvels Superheldenfamilie, die irgendwie gar nicht mehr Marvel gehört und auch alles andere als super ist.


Jetzt ist sie weg

Die Fantastic Four sind irgendwie Marvels Sorgenkind, was Verfilmungen angeht. Erst gab es den 1994 produzierten, nie veröffentlichen Streifen, der nur der Wahrung des Rechtebesitzes diente. Dann folgte 2005 ein eher grenzwertiger Film, der trotz Starbesetzung mit Jessica Alba eher Fremdschämpotential hatte. Kurz darauf folgte eine,nicht weniger zweifelhafte Fortsetzung mit Rise of the Silver Surfer. Kurz gesagt: Bislang waren alle Verfilmungen ziemliche Grütze. Das mag vielleicht auch damit zusammenhängen, dass die Filmrechte gar nicht mehr bei Marvel/Disney liegen, sondern bei 20th Century Fox. Schaut man sich die aktuelle Marvel Cinematic Universe Reihe an, waren eigentlich alle Titel ausnahmslos gute bis sehr gute Comicverfilmungen. Nun wagte man also einen erneuten Reboot, der bereits im Vorfeld der Veröffentlichung eher zwiespältige Reaktionen erzeugte.

Als erstes fällt dem geneigten Fan auf, dass man sich nicht an den klassischen Vier orientiert, sondern an den Ultimate Fantastic Four. Diese Reihe erschien zwischen 2004 und 2009 und wich insofern von den Klassikern ab, dass die Protagonisten wesentlich jünger waren und ihre Kräfte nicht durch kosmische Strahlung im Weltall erhielten, sondern durch eine Dimensionsreise. Soweit, so gut. Wir werden diesen Aspekt gleich noch einmal aufgreifen...

Was ist das?!? Dimensionssprung? Wer hat sich denn das ausgedacht? [Quelle: Constantin Film]
Was ist das?!? Dimensionssprung? Wer hat sich denn das ausgedacht? [Quelle: Constantin Film]

Was geht? Was geht? Ich sag's dir ganz konkret

Der Film beginnt in den Kindheitstagen der zukünftigen Helden, genauer gesagt 2007. Aufmerksame Naturen werden nun schon etwas stutzen, von wegen "jüngere Helden". Wir treffen auf den jungen Reed Richards, schon damals ganz Wunderkind, und erfahren von seinem Traum der Teleportation. Dieser wird dann auch direkt mit dem neuen besten Freund Ben Grimm umgesetzt und dabei ein großflächiger Stromausfall verursacht. Zeitsprung: Sieben Jahre später wird Reed von der privaten Baxter-Uni rekrutiert, wo er fortan mit den jungen Genies Susan Storm, Johnny Storm und Victor von Doom an seinem Teleporter arbeitet. Die Arbeit gelingt und es kommt - was Comicfans sehnsüchtig erwarten - zum Super-Gau. Victor ist verschollen, das übrige Quartett sieht sich von heute auf morgen mit Superkräften konfrontiert. Als ob so etwas das Leben nicht genug auf den Kopf stellt, taucht auch Victor wieder auf, ebenfalls "mutiert" und ziemlich angefressen. Der Rest ist Heldenkino nach Schema F, Wobei das F für Fail steht.


Die da, die da, die da - oder die da?

Beginnen wir mit dem Cast. Die Tatsache dass sämtliche Helden bzw. Antagonisten gerade mal Mitte 20 zu sein scheinen, ist Geschmacksache. Kann man mögen, muss man aber nicht. Ich persönlich, dass sei an dieser Stelle angemerkt, bevorzuge die klassischen Fantastic Four mittleren Alters. Irgendwie wird man aber den Eindruck nicht los, dass der gesamte Heldenverein direkt aus einer MTV-Serie gecastet wurde. Es lebe die Zielgruppe.

Hat nichts in der Hose: Ben Grimm. Schade. [Quelle: Constantin Film]
Hat nichts in der Hose: Ben Grimm. Schade. [Quelle: Constantin Film]

Das Genie Reed Richards wird dabei von Miles Teller gespielt. Leider nimmt man ihm das Genie nicht einen Moment ab, da er quasi dauernd mit einem Blick umherirrt als bräuchte er selbst fürs Nasebohren eine bebilderte Ikea-Anleitung. Ben Grimm wird vom Briten Jamie Bell verkörpert, eigentlich ein sehr talentierter Darsteller. Hier wird er nur, rollenbedingt, hinter einer CGI-Maske versteckt und verkommt zum Depri-Abrisshammer mit gelegentlichen Aggressionsproblemen. Die hätte ich aber an seiner (Ben Grimms bzw Things) Stelle auch, immerhin rennt das Ding den ganzen Film über nackig rum. Nun gut, dass tat Dr. Manhattan in Watchmen auch, aber irgendwer hat Ben Grimm den Penis wegretuschiert. Also ich kann seine Wut da gut verstehen.


Weiter geht es mit dem, in meinen Augen, Fail hoch zehn. Susan und Johnny Storm. Wie Comicfans sicher wissen, sind die Storms Geschwister. Sind sie hier auch. Nur wurde die Vita der Figuren so dermaßen mit Füßen getreten, dass ich als Enthusiast zum Hulk werde. Johnny Storm ist plötzlich Afro-Amerikaner und schwarz, Susan Storm (gespielt von der blondierten Kate Mara) ist weiß. Erklärt wird dieser Umstand damit, und jetzt festhalten liebe Comicfans, dass Susan die Adoptivtochter aus dem Kosovo sei. Da fällt einem echt nichts mehr ein - und dass, obwohl Fackel-Darsteller Michael B. Jordan den hitzigen Johnny gekonnt verkörpert. Leider verkommt er dank miesem Drehbuch zu einer Art Stichwort-gebendem Lenkflugkörper. Wenigstens durfte er seinen Penis behalten (Sorry nochmal, Ben Grimm).


Nur eine Stichwort-gebende Fackel. [Quelle: Constantin Film]
Nur eine Stichwort-gebende Fackel. [Quelle: Constantin Film]

MfG, mit freundlichen Grüßen

Und wir sind lange nicht am Ende des Pappnasen-Ensembles. Fehlt noch der Antagonist, der große Erzfeind der Fantastic Four - Dr. Victor von Doom. Diktator von Latveria, Genie, besessen vom Gedanken die Fab 4 zu vernichten. So zumindest in den Comics. Hier verkommt Doom zum blassen Abziehbild eines Bösewichts, was sicher nicht nur an Darsteller Toby Kebbell liegt. Passend zum restlichen Filmkrampf wird Doom dann auch "ge-Darth-Maul-ed".

Überhaupt hat der komplette Film ein Tempoproblem. Er lässt sich unglaublich viel Zeit bis er seinen Figuren endlich Superkräfte verleiht, nur um dann am Ende Vollgas geben zu müssen. Dabei bleiben wichtige Aspekte, wie eben die Frage "wie gewöhnt man sich daran auf einmal außergewöhnlich zu sein", liegen. Diese Frage ist eigentlich einer der zentralen Aspekte der Fantastic Four, die immer zwischen normalen Familienleben und Superheldenteam stehen. Der Film deutet dieses "Dilemma" zwar an, es scheint ihn aber nach der Verwandlung irgendwie keinen Deut mehr zu interessieren. Da will man den Zuschauern nach einem Kaugummistart und Plattdialogen ein fulminantes Finale präsentieren, welches an Lächerlichkeit nicht mal vom Finale von Rise of the Silver Surfer überboten wird. Die Gründe? Nun da kann man nur spekulieren. Es könnte daran liegen, dass das Studio sich zu sehr in die Dreharbeiten einmischte. Vielleicht lag es schlicht auch am überforderten Regisseur Josh Trant, der bislang nur mit dem mittelprächtigen Chronicles echte Leinwanderfahrung gesammelt hat. Sei es wie es sei, alleine das Fehlen von Stan Lee in einer Gastrolle spricht Bände (wenn gleich er auch als Executiv Producer gelistet wird). (SH)

 

FAZIT

Satz mit X, war wieder nix

Ich hatte mich wie Bolle darauf gefreut, endlich mal einen guten FF-Film zu sehen. Aber offenbar ist nur Marvel selbst in der Lage, seine Helden gekonnt in Szene zu setzen. Fantastic Four ist mit der schlechteste Comicfilm der letzten Jahre, und dass sagt jemand der Daredevil, Green Lantern und Elektra gesehen hat. Angefangen von hanebüchenen Freiheiten, die man sich bei den Lebensläufen der Charaktere nahm, bis hin zum völlig veralteten anmutenden Pacing des Films und dem Verheizen DES Fantastic Four Feindes schlechthin. Ich appelliere hiermit an 20th Century - bitte gebt die Filmrechte zurück an Marvel! Damit Fans vielleicht doch noch irgendwann eine Verfilmung erleben, die dem Heldenquartett gerecht wird. Solange dass nicht der Fall ist bleibt lediglich ein heißer Kandidat für die Goldene Himbeere. Da wünscht man sich fast Alba, Chiklis und Co wieder zurück.

Zuerst veröffentlicht auf gamezone.de am 15.08.2015