Deadpool in der Filmkritik: Hat Ryan Reynolds Wort gehalten?

Quelle: Fox
Quelle: Fox

Mit Grauen denken Comicfans an Wade Wilsons ersten Auftritt in Wolverine Origins, wo die Drehbuchschreiber so ziemlich alles versaut haben was zu versauen ging. Ryan Reynolds wollte diese „Schmach“ nicht auf sich sitzen lassen und bitte nun mit Deadpool – The Movie um seine zweite Chance als Merc with a Mouth. In unserem Review erfahrt ihr ob wir Mr. Reynolds Absolution erteilen oder ob er sich noch tiefer reingeritten hat.

Deadpool: Superkräfte und Supermacke [Quelle: 20th Century Fox]
Deadpool: Superkräfte und Supermacke [Quelle: 20th Century Fox]

 

Bewährungsanhörung

Ryan Reynolds genießt unter uns Nerds nicht unbedingt den besten Ruf. Entweder spielte er in lahmen B-Movies, in Romantic Comedies mit Sandra Bullock, oder eben in Comicverfilmungen. Dabei musste er, gerade für letztere, viel Prügel einstecken. Mit einen gewissen Grauen erinnern wir uns an Green Lantern im vollanimierten Anzug, an Hannibal King in Blade Trinity und seinen Wade Wilson aka Deadpool in Wolverine Origins. Jetzt versucht er sich erneut an einer Comicverfilmung. Diese mal an Wade...Wilson..alias...äh..Deadpo...Moment. Ja ihr lest richtig. Wade Wilson aus Wolverine Origins hat niemals existiert, zumindest wenn es nach dem Machern von Deadpool und Ryan Reynolds, der auch als Produzent beteiligt war, geht. Als Fans sagen wir: „besser ist dass“. Eine weitere Besonderheit, nur am Rande erwähnt, ist die Sache mit den Filmrechten. Wie ihr wisst liegen nicht alle Filmrechte an Marvelfiguren bei Marvel. Darum erscheinen die X-Men-Filme auch seit Jahren unter der Ägide der 20th Century Fox. Deadpool ist nun der erste Film der unter gemeinsamer Schirmherrschaft von Marvel und 20th Century entstand. Zurück zum Thema. Wade Wilson ist also tot, es lebe Wade Wilson. Reynolds verkörpert erneut den Merc with a Mouth und wie auch schon in Wolverine Origins, zumindest in den ersten 30 Minuten, steht Wades Klappe auch hier kaum still. Allerdings wurde seine Herkunft ein wenig überarbeitet. 

Also dafür würden wir uns auch mutieren lassen  und ein Blutbad anrichten [Quelle: 20th Century Fox]
Also dafür würden wir uns auch mutieren lassen und ein Blutbad anrichten [Quelle: 20th Century Fox]

Für alle die Deadpool noch nicht kennen daher nun ein kleiner Exkurs:Wade Wilson ist ein Ex-Elite-Soldat der sich mittlerweile als abgehalfterter Mietschläger sein Brot verdient. Zu diesem Zweck hängt er bei seinem Kumpel und Waffendealer Jack Hammer alias Weasel in dessen verlotterter Kneipe rum. Dort läuft auch ein skurriles Todesspiel bei dem die dortigen Berufsschläger wetten wer von ihnen als nächster in Gras beißt. Dort ist es auch, wo Wade zum ersten mal seine große Liebe Vanessa, verkörpert von der bezaubernden Morena Baccarin, trifft. Die arbeitet dort als, sagen wir Bedienung und Rahmenprogramm, und hat genauso einen an der Klatsche wie Wade. Gleich und gleich gesellt sich gern und so wird aus den beiden ein Paar. Wir dürfen dann hautnah ein Jahr voller Glück miterleben, gezeigt in einer der romantischsten Sequenzen die wir je in einem Film sehen durften (Stichwort: Weltfrauentag). Leider wird das Glück bald getrübt als Wade die Diagnose Krebs im Endstadium gestellt wird. Leber, Lunge, Prostata, Gehirn, aller voller Tumore aber zum Glück, wie Wade betont, alles Organe ohne die er gut leben könne. In dieser Situation unterbreitet ein mysteriöser Rekrutierer den sterbenden Wade ein Angebot: Man könne ihn heilen, vollkommen Gesund machen und stärker als je zuvor. Wade, der mittlerweile seine Vanessa verlassen hat geht auf das Angebot ein, in der Hoffnung auf ein Happy End. Lange Rede kurzer Sinn: Wade wird mutiert und soll als Superwaffe an den Meistbietenden verkauft werden – soviel zum Thema: Wir machen dich zum Superheld. Fortan verfügt Wade über Selbstheilung a la Wolverine, stark verbesserte Reflexe und körperliche Fähigkeiten und eine gewaltige Macke. Leider bringt die Therapie einen unerwünschten Nebeneffekt: Er sieht aus wie eine Mischung aus Freddy Krüger und einem schlecht rasierten Hoden. Grund genug den Verursachern mal die Meinung zu geigen. Als diese dann auch noch Wades Geliebte entführen ist Holland endgültig in Not und Deadpool, wie er sich fortan nennt begibt sich auf einen Rachefeldzug der sich gewaschen hat.

Dürfen wir vorstellen: Lahmer CGI-Sidekick [Quelle: 20th Century Fox]
Dürfen wir vorstellen: Lahmer CGI-Sidekick [Quelle: 20th Century Fox]

 

Ihr seht schon Deadpool ist alles andere als ein strahlender Held, im Gegenteil. Pool hält Helden für Waschlappen und Spießer, was er dem Zuschauer auch regelmäßig kundtut. Dem Zuschauer? Ja genau. Eine Besonderheit von Deadpool ist, dass er sich seiner selbst als Comicfigur bewusst ist. Der Film-Deadpool steht da nicht nach. Er weiß dass er nur eine Figur in einem Film ist, er weiß dass er von Ryan Reynolds gespielt wird und er ist sich sehr wohl bewusst welche Rollen dieser bereits gespielt hat. Immer wieder wendet sich Deadpool während des Films also auch mal direkt an die Zuschauer oder gibt Infos zum besten aus der realen Welt. Ein Beispiel? Als Colossus, der X-Men, Deadpool zu Prof. X bringen will erwidert dieser:“ Zu Stewart oder McAvoy...Zeitlinien sind sooo verwirrend.“. Keine Angst, dass war nur eines von ca. 100 Easter Eggs die im Film sind. Bereits nach dem genialen Vorspann haben wir aufgehört die Anspielungen zu zählen. Zurück zum Thema. Natürlich bleibt Deadpools blutiger Feldzug nicht unbemerkt und auch ein (Anti-)Held braucht schließlich mal Hilfe. Diese bekommt Wade in Form der beiden X-Men Colossus (im Vorspann vorgestellt als „lahmer CGI-Sidekick“ und Negasonic Teenage Warhead (angekündigt als „eine Teeny Kackbratze“ (ihr seht schon warum es der genialste Vorspann aller Zeiten ist).  

Bad Girl mit Ausschnitt aber ohne Profil: Angel Dust [Quelle: 20th Century Fox]
Bad Girl mit Ausschnitt aber ohne Profil: Angel Dust [Quelle: 20th Century Fox]

Deadpool geht auch im Aufbau einen etwas anderen Weg als die üblichen Marvelfilme. Dort wurde meist ein „From Zero to Hero“-Schema abgefahren dass den Zuschauer, übertrieben gesagt, erst einmal eine Stunde gelangweilt hat mit einer Null die zum Helden wird, nur um dann im Final das Publikum mit Bombast zu überfordern. Deadpool geht hier den Weg des „Hero to Zero to Hero to Zero usw.“ Soll heißen der Film wechselt regelmäßig in Rückblenden und zeigt dabei wie Deadpool entstand bzw. zu dem wurde der er ist. Dieser Kniff sorgt dafür dass der Film keine Sekunde langweilig wird da auf Action immer wieder eine ruhigere Originsequenz folgt, die dann auch wieder direkt von knallharter Action abgelöst wird. Der Humor ist dabei aber allgegenwärtig und verhindert dass die Action zu brutal wirkt oder die Originsequenz zu schnulzig. Tim Miller hat hier in seinem Debüt alles richtig gemacht wenn er auch im Vorspann als „unbekannter Nobody“ genannt wird.

 

 

Ein Wort noch zum Soundtrack. Selten hat ein Soundtrack besser zu einem Film gepasst. Wann immer Deadpool den Score unterbricht um einen Song einzubauen passt dieser, gelinde gesagt, wie Arsch auf Eimer. Sei es nun der Shoop-Song von Salt'n Pepa, X gon giv it to ya von DMX oder Careless Whisper von WHAM! (und ja das Ausrufezeichen haben sie sich verdient – schaut den Film und ihr wisst wieso).  

 

Fazit

Meine Fresse was für eine Achterbahn.

Wie sich der eine oder andere von euch erinnert habe ich bereits im Videopodcast „Kinoausblick 2016“ behauptet Deadpool würde der Film des Jahres – und scheiße ich hatte Recht :) Ryan Reynolds sagte im Vorfeld in Interviews immer wieder wie Leid es ihm täte was aus Green Lantern wurde und aus Wade Wilson in Wolverine Origins und dass er alles daran setzen würde mit Deadpool den Film abzuliefern, den die Fans (zu denen er sich auch zähle) sehen wollten. Ich habe dass zu dem Zeitpunkt als Marketing-Blabla abgetan aber ich muss hier Abbitte leisten. Ryan Reynolds hat Wort gehalten. Er spielt nicht nur Deadpool weil er gecastet wurde, nein, er lebt Deadpool. Man kann an dieser Stelle nur sagen: Ryan Reynolds ist Deadpool..Punkt. Ausrufezeichen. Warum Deadpool nun der Film des Jahres ist und neben Guardians of the Galaxy der beste Marvelfilm der letzten 20 Jahre? Ganz einfach. Deadpool traut sich zu sein was er ist: ein Comicfilm. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Deadpool ist brutal, aber im Kontext ist die Gewalt so überzogen und comichaft dass man nicht weiß ob man die Augen schließen oder lachen soll. Deadpool nimmt sich als Film zu keiner Sekunde ernst. Er will Spaß machen und unterhalten und genau das tut er. Die Darsteller, allen voran Reynolds, spielen ihre Rolle nicht nur, sie leben sie und hatten sichtlich Spaß bei der Arbeit und der überträgt sich auch auf's Publikum. Ich habe in Deadpool in den ersten 20 min mehr gelacht als in so mancher Komödie. Sicher kann man kritisieren dass die Handlung eigentlich lediglich Schema F für Superheldenfimen bietet. Sicher kann man bemängeln dass die Antagonisten recht blass bleiben und die Sidekicks nur Stichwortgeber sind aber was soll's. Wer tiefgründige, intellektuelle Handlung mit zig Metaebenen, komplexe Charaktere mit Tiefe sucht der soll gefälligst bei albanischen Filmen über kurdische Ziegenhirten in schwarz-weiß und mit Untertiteln auf Mandarin schauen. Wer sich 109 min der Arsch ablachen will und amüsieren möchte ist bei Deadpool super aufgehoben. Wer noch mehr Eindrücke möchte dem sei unser Podcast „After Hour“ ans Herz gelegt, direkt nach dem Kinobesuch aufgenommen und voller Hypehormone. Achja, bleibt nach dem Filmabspann unbedingt noch etwas sitzen ;).

(SH)

 


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Moviepodcast #2 "After Hour": Deadpool
Garantiert nicht objektives Filmreview zu Deadpool - The Movie. Wie immer in der Rubrik After Hour direkt nach dem Kinobesuch aufgenommen und voller Hypehormone ;)
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Zwei Meinungen sind besser als eine, so sagt man. Finden wir auch, deshalb haben wir hier noch die aktuelle Ausgabe von Cinedome, der Filmkritikrubrik unserer Freunde von den Purple Tentacles.



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Quelle: Activision
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