Update zur Filmkritik

Im Kino konnte DCs Blockbuster uns nicht so richtig überzeugen. Konfuse Handlunsstränge und blasse Charaktere zogen die Wertung nach unten. Nun erschien mit der Ultimate Version eine 30 Minuten längere Version auf BluRay. Grund genug für uns dem Titel noch einmal eine Chance zu geben. Um es vorweg zu nehmen: es hat sich gelohnt. Zwar wird mit den nahtlos eingefügten Szenen nach wie vor kein Hit aus Batman vs Superman, dafür werden die gröbsten Plottlöcher gestopft. Was genau verbessert wird wollen wir an dieser Stelle nicht spoilern, nur soviel sei verraten: Endlich macht der Plan Luthors Sinn und bekommt Substanz. Auch die teilweise zusammenhanglosen Traumsequenzen bekommen zum Teil endlich einen Kontext. 

Alles in allem wird Batman vs Superman durch die Zusatzlaufzeit nun zu einem durchaus unterhaltsamen Superheldenstreifen und gewinnt durch die verlängerte Laufzeit auf beinahe 3 Stunden. Daher empfehlen wir allen DC- und Comicmoviefans nochmal einen Blick auf die BluRay zu werfen und dem Film eine zweite Chance zu geben. 

Batman V Superman - Dawn of Justice in der Filmkritik: Kampf der Titanen oder Sandkastenbalgerei

Quelle: Warner
Quelle: Warner

Marvel-Fans werden, was Kinoumsetzungen angeht, wirklich verwöhnt. Immerhin überzeugten bislang nahezu alle Comicverfilmungen des Cinematic Universe. Ganz anders bei Konkurrent DC. Was mussten DC-Fans nicht schon alles für Gurken schlucken. Superman Returns, Green Lantern, Catwoman - einer mieser als der andere. Mit Batman V Superman startet nun auch DC in den Crossover-Part seines eigenen Filmuniversums, welches mit Man of Steel seinen Anfang nahm.

 

Batmans Herkunft, die Drölfzigste

Nachdem uns Zack Snyder bereits in Man of Steel die Herkunft von Superman näher brachte, beginnt nun auch Batman V Superman mit einer Entstehungsgeschichte. Snyder erläutert uns zum gefühlten tausendsten Mal in Rückblicken wie aus Milliardärsöhnchen Bruce Wayne der finstere Dark Knight wurde. Dieser wird erstmals von Ben Affleck verkörpert, was im Web für einen obligatorischen Shitstorm sorgte. Wir begegnen einem sichtlich gealterten Wayne dann auch direkt mitten im Chaos. Nämlich dem Kampf Supermans gegen Zod und seine Weltenwandler und zeigt damit auch direkt wieso Batman so massiv gegen Superman vorgeht. Snyder zeigt wie verletzlich normale Menschen sind wenn Superwesen, Metamenschen oder eben Götter in Menschengestalt ihre Kämpfe in unseren Städten austragen. Da bleibt kein Stein auf dem anderen und Kollateralschaden sind vorprogrammiert. Logisch, dass Wayne/Batman sich da die Frage stellt: wenn Wesen wie Superman solchen Schaden verursachen beim Versuch Gutes zu tun, was passiert dann erst wenn er sich entschließt Böses zu tun - und wie stoppt man einen Gott?

Ein gealterter Bruce Wayne mit der hinreissenden Wonder Woman [Quelle: Warner]
Ein gealterter Bruce Wayne mit der hinreissenden Wonder Woman [Quelle: Warner]

Batmans Motivation ist also klar, es muss ein Mittel her mit dem man dem Mann aus Stahl Einhalt gebieten kann und dafür geht er immer rabiater vor. Diese, nennen wir sie "Gewaltorgie im Namen der Gerechtigkeit", ist wiederum Superman ein Dorn im Auge der wenig von Selbstjustiz a la Batman hält, kurios wo er sich doch selbst ebenfalls außerhalb des Rechtssystems bewegt. Dazwischen steht dann noch ein junger Lex Luthor, der mit einem Klumpen Kryptonit die einzige Waffe gegen Superman in Händen hält, was ihn wiederum zur Zielscheibe von Batmans Ermittlungen macht. Fertig ist die Menage a trois oder eher das Mexican Standoff. Die Bühne ist also bereitet für den ultimativen Kampf der (DC)Giganten.

Leider lässt Snyder sich eine gefühlte Ewigkeit Zeit bis er seine Protagonisten wirklich von der Leine lässt und offenbart damit auch gleich plakativ seinen Schwachpunkt als Regisseur. Zack Snyder ist ein Regisseur der großen Bilder und spektakulären Action. Dass bewies er in 300 und auch in Man of Steel. Wo es ihm dagegen mangelt, mit Ausnahme von Watchman, ist das Talent Geschichten zu erzählen und seinen Figuren Tiefe zu geben und so dafür zu sorgen, dass man sie "ins Herz schließt". So kommt es auch, dass er Wayne/Batman und Kent/Superman bedeutungsschwangere Dialoge und Oneliner aufsagen lässt die jedoch nichts weiter als hohle Plattitüden sind, teilweise sogar mit Fremdschämfaktor.

..die auch in Kampfmontur eine gute Figur macht [Quelle: Warner]
..die auch in Kampfmontur eine gute Figur macht [Quelle: Warner]

Nicht falsch verstehen, DC nimmt einen anderen Weg als die Marvel-Movies. Wo diese auf bunte Action und einen Schuss Humor setzen, geht DC eher eine seriöse Schiene. Das ist nicht besser oder schlechter als Marvels Ansatz, aber leider verwechselt Snyder "seriös" mit "zwanghaft humorbefreit". Das zeigt sich besonders dann, wenn er seinen Protagonisten wirklich mal einen lockeren Spruch in den Mund legt und dieser dann auch direkt fehlplatziert wirkt. So kämpfen sich Bat und Supi dann durch eine recht dialoglastige erste Filmhälfte, bevor sie endlich "in medias res" gehen und sich auf die Zwölf geben. Nur hatte DC offenbar nicht genug Vertrauen in eine reine Auseinandersetzung seiner beiden namensgebenden Filmhelden und so muss dann natürlich auch noch eine gemeinsame Bedrohung her in Form von Doomsday. Dieser sorgt auch dafür, dass der titelgebende Kampf gerade mal ein kurzes Intermezzo ist bevor es zur abschließenden (Effekt)-Schlacht gegen Doomsday kommt. Ach ja, Wonder Woman darf dann auch noch kurz mitmischen und einige bedeutungsschwangere Zeilen aufsagen.

 

Fazit

Batman V Superman macht es dem Comicfan nicht einfach ihn zu mögen

Es dauert, für meinen Geschmack, zu lang bis Snyder endlich zu Potte kommt. Dafür erzählt er uns zum 20sten Mal die Entstehung von Batman. Hätte man sich schenken können. Das selbe gilt für die wirren Halluzinationen die Snyders Charaktere, allen voran Wayne, durchleiden. Diese sind zwar für Eingeweihte durchaus interessant, kennt man die Comics aber nicht, wirken diese Szenen schlicht verwirrend und deplatziert. Dazu offenbart Snyder seine Schwächen, was Dialoge und Geschichtenerzählen angeht. Manche Wortgefechte wirken als hätte man sie direkt aus dem Buch „pathetische Dialoge 101“ abgeschrieben. Der Filmtitel sorgt indes auch für Verwirrung, denn Batman V Superman trifft es nicht so wirklich, da der eigentlich Clash der Giganten nur wenige Minuten dauert und dann dem viel größeren Clash gegen Doomsday weichen muss. Batman/Superman: Dawn of Justice wäre hier vielleicht passender gewesen. Ein weiterer Kritikpunkt ist Lex Luthor als Strippenzieher im Hintergrund. Zwar ist der Ansatz eines jungen, soziopathischen Luthor recht interessant (stellenweise erinnert Luthor fast schon an den Joker), leidet aber mit zunehmender Filmlänge am immer schlimmer werdenden Overacting von Jesse Eisenberg. Dazu kommt eine routiniert aufspielende Amy Adams als Dame in Nöten. Das will irgendwie so gar nicht zur toughen Louis Lane passen. Seine echte Stärke spielt der Film dann aus wenn es zur Sache geht. Die Action ist sowohl visuell als auch technisch 1A. Es bleibt also ein Film der einen interessanten Ansatz zu Grunde legt: messianischer Erlöserglaube auf der einen und Selbstjustiz als legitimes Rechtsmittel auf der anderen. Machthunger und ein Stück selbstgefällige Weltfremdheit trifft auf Opferbereitschaft an der Grenze zur Selbstaufgabe. Leider schafft Snyder es nicht diese Themen wirklich ernsthaft anzugehen wie zum Beispiel, und an dieser Stelle sei ein Vergleich mit Marvel erlaubt, Captain America: Winter Soldier. Dieser schaffte den Spagat zwischen Action, Humor und brisantem Politthriller, der Snyder hier nicht wirklich gelingt. Ein letztes Wort zu Afflecks Batman. Auch ich war im Vorfeld sehr skeptisch bis ablehnend, muss aber hier Abbitte leisten, mea culpa. Afflecks Batman ist ein gealterter Batman (im Film spricht er selbst von 20 Jahren als Dark Knight), der bereits schwere Rückschläge einstecken musste (achtet auf die Szene in der Bathöhle mit dem Robin-Kostüm). Dementsprechend treffen wir hier auf einen harten Batman und einen beinahe verbittert wirkenden Bruce Wayne. Batman tötet nach wie vor nicht, nimmt aber mittlerweile billigend den Tod seiner Gegner in Kauf. Das wirkt im ersten Moment befremdlich, gefiel mir aber sehr gut. Dieser harte, kompromisslose Batman (angelehnt an Year One) setzt stark auf seine Gadgets, wie den Allzweckwerfer oder eben seine Powerrüstung. Geht es dann in den Nahkampf, erleben wir einen Batman der nicht mehr auf Psychologie und Furcht setzt, sondern einen „mitten in die Fresse“-Batman. Deutlich wird dies auch an der Statur Afflecks, die ihn auch ohne Powerrüstung wie einen verkleideten Kleiderschrank daherkommen lässt. Ich bin jedenfalls begeistert vom neuen Batman und kann es kaum erwarten mehr davon zu sehen....von Wonder Woman ganz zu schweigen. (SH)

 


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Moviepodcast #3 "After Hour": Batman v Superman
Wie immer in dieser Rubrik, direkt nach dem Kinosbesuch aufgenommen um euch unverfälscht unseren Ersteindruck zu präsentieren - natürlich spoilerfrei
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Zwei Meinungen sind besser als eine, so sagt man. Finden wir auch, deshalb haben wir hier noch die aktuelle Ausgabe von Cinedome, der Filmkritikrubrik unserer Freunde von den Purple Tentacles.



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