The Avengers 2: Age of Ultron in der Filmkritik: Neue Superhelden braucht das Land

Quelle: Disney/Marvel
Quelle: Disney/Marvel

Endlich Wochenende und damit wieder die Frage: Was tun? Wie wäre es mal wieder mit Kino? Wir wissen zwar nicht ob ein Film läuft der euch gefällt, aber wir verraten euch ob ein Besuch in The Avengers 2 sich lohnt und wie ihr eure Freundin davon überzeugt "so nen Comicfilm" anzuschauen.

 

Es ist noch gar nicht lange her, da haben die Avengers, mit freundlicher Unterstützung durch Loki und seine Chitauri-Truppen, halb New York zerlegt. Zeit also sich erneut ein wenig Ärger zu suchen. Dieser ist auch schnell gefunden, in Form einer osteuropäischen Basis der Geheimorganisation Hydra. Dort treffen die Avengers nicht nur auf massig Kanonenfutter, sondern auch gleich auf zwei neue "Talente", wie sie fortan genannt werden. Dazu aber gleich mehr. Lange Rede kurzer Sinn, die Basis wird eingenommen, Lokis Zepter eingesammelt und der Rest der Waffen und Chitauri-Technik bleibt liegen. What?? Ja, ihr lest richtig. Es wird zwar mal erwähnt, dass die NATO die restlichen Hydra-Truppen eingesammelt hat, aber offenbar scheint es keinen zu stören, dass man damit außerirdische Technologie quasi wild in der Weltgeschichte verteilt.

Befremdlich, aber leider nur eines der, nennen wir sie mal "Logiklöcher", die teils so groß sind, dass selbst der Hulk sie mit seinem dicken grünen Hintern nicht stopfen könnte. Stichwort Hulk: Dieser ist seit kurzem "steuerbar" dank Konditionierung made by Black Widow. Dass mutet aus zwei Gründen komisch an. Zum einen schien der Hulk bereits in der Finalschlacht von Teil 1 recht selbstbeherrscht und zum anderen scheint es uns recht unwahrscheinlich, dass sich ein Wesen wie der Hulk, das eigentlich zu 100% instinktgesteuert ist, so einfach konditionieren lässt. 

Zu Beginn wollen die Avengers nicht so recht zusammenarbeiten. [Quelle: Disney/Marvel]
Zu Beginn wollen die Avengers nicht so recht zusammenarbeiten. [Quelle: Disney/Marvel]

Sei es wie es sei. Man feiert seinen Sieg, analysiert die Beute und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Im Wunsch die Welt sicherer zu machen und seinen Ruhestand genießen zu können entwickelt Tony Stark in Zusammenarbeit mit Dr. Banner das Ultron-Programm. Dieses soll seine, bereits in Iron Man 3 gescheiterte Iron Legion verbessern und unter die Kontrolle einer echten KI stellen. Der simple Auftrag: "Frieden für die Welt". Nun ja, wie ihr euch denken könnt, gilt der alte Filmgrundsatz "good things go terribly wrong". Die KI aktiviert sich während die Avengers und ihre Freunde den Sieg feiern und wir erleben die Geburt von Ultron, einem der gefährlichsten Gegner der Avengers. An dieser Stelle sei David Spader ein großes Lob ausgesprochen. Er haucht Ultron eine super Mischung aus Allmacht, Wahnlogik und Soziopathie ein und präsentiert uns eine Art pervertierten Pinocchio (inklusive musikalischer Anspielung auf den Holzbub). Dass er dabei trotzdem dieselben Fehler macht wie jeder Bond-Schurke seit Neunzehnhundertdrölfzig, ist sehr schade, aber im Sinne der Kontinuität des Cinematic Universe leider unvermeidlich.

Ultron analysiert also die Situation und seinen Auftrag und kommt zu der logischen Entscheidung, dass die größte Gefahr für die Menschheit unter anderem die Avengers sind und schlussendlich die Menschheit selbst. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Fortan setzt Ultron alles daran, seinen Plan umzusetzen. Seine Karten sind dabei sogar recht gut, da die Avengers nicht zuletzt auf Grund Starks Alleingang zerstritten sind. Ultron hat als KI den Vorteil überall zu sein - es lebe das Web 2.0.

Die Nebencharaktere des Vorgängers bekommen endlich mehr Screentime. [Quelle: Disney/Marvel]
Die Nebencharaktere des Vorgängers bekommen endlich mehr Screentime. [Quelle: Disney/Marvel]

Weitere Unterstützung erhält die Killer-KI von zwei Neuzugängen im MCU (Marvel Cinematic Universe). Aufmerksame Zuschauer der Marvel-Filme wissen bereits von wem wir hier sprechen. Es handelt sich um die Maximoff-Zwillinge Wanda und Pietro alias Quicksilver bzw. Scarlet Witch. An dieser Stelle möchte ich kurz die Chance nutzen und Joss Whedon Abbitte leisten. Ich war von Beginn an sehr skeptisch, was diese beiden Figuren anging. Zum einen war da die Sache mit der Hintergrundgeschichte der beiden. Diese musste aus lizenzrechtlichen Gründen nämlich geändert werden. Der geneigte Comicleser weiß, die Zwillinge sind die Kinder von Obermutant Erik "Magneto" Lehnsherr. Da die Namensrechte aber nicht bei Disney liegen, wurden sie kurzerhand zu Waisen die sich einer Tesserakt-Behandlung unterwarfen. Kann man mögen, muss es aber nicht. Viel mehr störte mich aber die Entscheidung, dass Whedon auf recht junge Darsteller Anfang 20 zurückgriff. Für mich waren Quicksilver und Scarlet Witch immer Figuren in den Dreißigern. Ich lag falsch. Scarlet Witch, gespielt von Elizabeth Olsen liefert eine super Performance und trifft dabei, in meinen Augen, genau die perfekte Mischung aus rachsüchtigem Biest und verletzlicher Frau, die auch unter ihren Kräften leidet. Quicksilver bleibt leider auffallend blass. Er hat seine Szenen, scheint aber trotzdem zum reinen Stichwortgeber degradiert.

 

Aber zurück zum Thema. Fortan setzen Ultron und die Zwillinge alles daran, ihren Plan umzusetzen, während die mächtigen Avengers erstmal zum kollektiven Wunden lecken antreten. Hier nimmt Whedon ziemlich stark das Tempo raus. Das fühlt sich im ersten Moment ungewohnt an, ist rückblickend aber eine sehr gute Entscheidung. Er nimmt sich hier die Zeit seine Helden besser zu definieren und gibt ihnen, durch einen kleinen Kunstkniff, mehr Tiefe. Gerade Charaktere die in Teil 1 etwas kurz kamen wie Clint "Hawkeye" Barton und auch Natasha Romanoff erhalten vergleichsweise viel Screentime und es wird deutlich, dass die beiden Topspione/Killer keineswegs nur die Sidekicks von Halbgöttern sind, sondern möglicherweise die wichtigsten Mitglieder der Truppe. Sehr gute Entscheidung von Whedon und perfekt, um vor dem Finale noch einmal durchzuatmen. Nebenbei wird dann auch noch Fanservice geboten durch den, bereits aus den Trailern angedeuteten Kampf "Hulk vs Hulkbuster Iron-Man". Irgendwie stellt sich da aber ein Déjà-vu ein, da ja Hulk bereits im Vorgänger von Loki als "Ablenkung" benutzt wurde.

Reiner Fan-Service: Iron Man im Hulkbuster-Outfit. [Quelle: Disney/Marvel]
Reiner Fan-Service: Iron Man im Hulkbuster-Outfit. [Quelle: Disney/Marvel]

FINALE...OH HO!

Nach dem eher beschaulichen Part, gibt das Drehbuch aber auch gleich wieder ordentlich Vollgas. Logisch, immerhin will das Ende der Menschheit verhindert werden. Dabei wird auch alles aufgeboten, was die Heldenkiste hergibt. Kameraturns in Salomo, Gegner en Masse, wildes Durcheinander und Pathos... Marvelfans werden es lieben! Kurz vor Ende wird dann auch noch mal eben ein neuer Spieler eingeführt (The Vision, super gespielt von Paul Bettany). Leider passiert das ein wenig zu spät für unseren Geschmack und so bleibt Vision, der zu meinen persönlichen Marvel-Lieblingen gehört, leider recht blass. Hier wird aber definitiv noch mehr kommen, da er im großen Handlungsbogen des Cinematic Universe wohl noch eine Rolle spielen wird - Stichwort: Infinity Steine.


Ja, Der Endkampf erinnert an die Finalschlacht von Teil 1. Das lässt sich nicht bestreiten. Aber, und entschuldigt an dieser Stelle bitte meine Wortwahl, drauf gepfiffen. Die Schlacht ist spektakulär, rasant und super choreographiert. Selbst für kleine humorige Bemerkung bleibt noch Platz. Fans der Avengers werden kaum zum Luftholen kommen. Was auch schön zu sehen ist: Wo in Avengers 1 noch große Einzelleistungen im Vordergrund standen, sieht man den Kämpfen nun deutlich an, dass die Avengers als Team zusammengewachsen sind. Statt Einzelaktionen dominieren nun "Koopattacken" und das Team wirkt eingespielter auf dem Schlachtfeld. Dass mag dem Normalzuschauer kaum auffallen, lässt die Kämpfe aber runder wirken. Etwas merkwürdig ist nur dass die Neuzugänge sich gleich so perfekt in die Teamchoreo einpassen, aber ein Schelm wer hier Böses denkt.

Action satt: Das Finale wird Marvel-Fans gefallen. [Quelle: Disney/Marvel]
Action satt: Das Finale wird Marvel-Fans gefallen. [Quelle: Disney/Marvel]

Last but ot least ein Wort zur Technik. Wir haben den Film in einem Cinemaxx mit Real 3D gesehen. Durch die billigen Polarisationsbrillen wirkte das Bild aber teilweise zu dunkel. Die Soundabmischung schien uns auch nicht immer optimal und an einigen Stellen war ein deutliches Echo zu hören. Zwar spielten diese Szenen in großen Räumen, trotzdem erweckt es den Eindruck als habe der Tontechniker hier mit dem Hall ein wenig übertrieben.

Ach ja, abschließend, wie Anfangs versprochen, noch der Tipp um die Freundin zu überzeugen: Chris Hemsworth alias Thor ist oben ohne in einem Teich zu                                                                                                         sehen - wenn sie das nicht überzeugt! (SH)

 

FAZIT

Avengers, SAMMELN!!

Ein Ausruf, der dem Nerd schneller den Puls hochjagt als ein von Lara Croft gehauchtes „lass uns Mario Kart im Splitscreen zocken und du darfst gewinnen“. Joss Whedon geht erneut in die Vollen und präsentiert beinah schon einen Heldenoverkill. Nicht nur; dass er gleich vier neue Figuren einführt, er gönnt auch quasi jeder bislang aufgetauchten Figur (War Machine, Falcon) einen kleinen Auftritt, ganz zu schweigen von Teasern auf kommende Filme (Thor 3, Waffenhändler Klaw und den Staat Wakanda – Black Panther lässt grüßen). Das ist stellenweise schon too much. Persönlich gefällt es mir sehr gut; dass er nach dem hektischen Auftakt erst einmal das Tempo drosselt und gerade den „unscheinbareren“ Figuren wie Hawkeye so viel Screentime einräumt; nur um dann am Ende wieder aufs Gaspedal zu treten. James Spader als Ultron und Elizabeth Olsen als Scarlet Witch wissen zu begeistern und auf mehr von Paul „The Vision“ Bettany freue ich mich auch schon. Langsam wird der große Handlungsbogen sichtbar; der alle Marvel-Filme von Iron Man 1 bis über Guardians of the Galaxy verbindet. Dem geschuldet sind auch Szenen in Avengers 2, die einzig nur auf die Fortsetzung der Einzelfilme abzuzielen scheinen, aber den Fan stört so etwas nicht. Ein Kritikerkollege schrieb in seinem Review sinngemäß: „Avengers ist ein schlechter Film der aber trotzdem seinen (unverdienten) Erfolg haben wird.“ Ich sage: „Wenn dem so ist, dann ist Avengers – Age of Ultron der beste schlechte Film seit langem.“ (SH)

Zuerst veröffentlicht auf gamezone.de am 26.04.2015