Watch Dogs 2 im Just-Nerds Test: Let's go to San Francisco

Hipster hacken sich durch San Francisco in edler Mission für den Datenschutz. Ubisoft legt bei der Fortsetzung eine Portion Hipnessdrauf. Ob die Hipster uns eher überzeugen konnten als Aiden verrät der Test.

 

If you're going to San Francisco

Nein, in San Francisco braucht ihr keine Blumen im Haar, wie das berühmte Lied suggeriert. Ihr braucht einfach nur ein richtig cooles Handy und zwei Drohnen, eine die fährt und eine die fliegt.

Mit diesen Gadgets bewaffnet kann euch in dieser wunderschönen Stadt keiner mehr das Wasser reichen.

Geld klauen, Ampeln schalten, Leute in die Luft jagen, PKW`s steuern. Man hat die Kontrolle über fast alles.

Und wenn ich von „going to San Francisco“ spreche, dann meine ich das wörtlich. Wer schon einmal in San Francisco war, der wird sehr schnell merken wie detailverliebt diese großartige Stadt modelliert wurde. Ob man über die Golden Gate Bridge fährt oder über den Union Square flaniert. Alles wurde sehr genau dem Original nachempfunden. Alcatraz ist, wenn mich nicht alles täuscht praktisch 1:1 umgesetzt und ich konnte es beim erstmaligen Betreten der virtuellen Insel tatsächlich kaum glauben, wie gut jene nachgestellt wurde.

Die Protagonisten polarisieren, sind aber definitiv hip as hell[Quelle: Ubisoft]
Die Protagonisten polarisieren, sind aber definitiv hip as hell[Quelle: Ubisoft]

 

Ein moderner Robin Hood

Man schlüpft in die Rolle eines gewissen Marcus Holloway, einem jungen Mann Anfang Zwanzig, cool wie Eis und ein wahres Genie wenn es um das Hacken geht.

Dieser schließt sich der Aktivistengruppe „Dead Sec“ an um… Naja sagen wir mal um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Wem das Watch Dogs Universum bisher nicht vertraut ist, hier ein kleiner Crashkurs:

Die Blume Corporation setzt in praktisch allen Bereichen des Lebens ihre Software CtOS ein. Diese Software sammelt unendlich viele Daten über jeden einzelnen Menschen und erstellt umfangreiche Profile. Ähnlichkeiten mit gewissen „blauen social Networks“ sind natürlich rein zufällig. So verkauft Blume beispielsweise sensible Daten an Krankenkassen, die Menschen nach ihren CtOS Profilen katalogisieren und sie so etwa in unterschiedliche Risikogruppen einsortieren um danach die Prämie für die Krankenversicherung zu berechnen.

Die Hackergruppe Dead Sec hat sich zur Aufgabe gemacht, die Machenschaften dieses Konzerns aufzudecken und ihn von Innen heraus zu zerstören.

Zu dieser Hauptstory und ihren zahlreichen Missionen gibt es massig Nebenmissionen zu erledigen, die mich teilweise sogar mehr fesseln. So muss man z.b. in einem Bandenkrieg ermitteln um einem alten Bekannten aus Teil 1 aus der Patsche zu helfen.

 

Neuerungen tun dem Spiel gut

Nun muss ich sagen: allen Unkenrufen und aller berechtigten Kritik an Ubisoft zum Trotz war ich begeisterter Spieler des ersten Ablegers der Watch Dogs Reihe. Der Grundgedanke eines Open World Spiels in Kombination mit den Möglichkeiten des Hackens hat mich von Anfang an gefesselt und auch wenn die Story wenig bis gar keinen Sinn ergab, ich habe viele Stunden mit Watch Dogs verbracht und war richtig heiß auf Teil 2 - und ich wurde keinesfalls enttäuscht.

Das virtuelle San Francisco überzeugt [Quelle: Ubisoft]
Das virtuelle San Francisco überzeugt [Quelle: Ubisoft]

Watch Dogs 2 ist die logische Weiterentwicklung und bietet wesentlich mehr Möglichkeiten als sein Vorgänger. Eines jedoch will mir nicht in den Kopf. Wie schon in Watch Dogs ist es in Teil 2 nicht möglich zu springen. Man kommt sich unweigerlich vor wie der Depp schlechthin, wenn man eine Rampe auf einem Dach suchen muss um auf das nächste Dach zu springen, was die Konsole dann ohne mein Zutun für mich erledigt.

Ganz klar hat sich Ubisoft hier an den letzten Assassins Creed Ablegern orientiert. So wird per Schultertaste geklettert und im Ausnahmefall, z.b. von Dach zu Dach mal gesprungen. Eine Taste, die den Protagonisten umgehend springen lässt gibt es nicht.

Bei Assassins Creed mag sowas noch Sinn machen, da man praktisch auf jedes Haus klettern kann und hier ein manueller Sprung vielleicht eher hinderlich wäre, als der Parcourlauf per Schultertaste.

Bei Watch Dogs 2, von der Grundidee her ein simples Open World Game, bei dem der Protagonist auch nicht mehr oder weniger klettern kann als in GTA V allerdings, ist der Mangel dieser Funktion vielerorts allerdings sehr ärgerlich.

Das Gameplay hat sich im Vergleich zum Vorgänger in seinen Basics also kaum verändert. Marcus kann wesentlich besser klettern als es Aiden konnte und das kann in der ein oder anderen Mission wirklich hilfreich sein.

 

Richtig geflasht war ich aber von Anfang an von den Erweiterungen.

So hat man von Beginn an Zugriff auf eine fahrbare Drohne, die in der Lage ist „physikalische Hacks“ auszuführen, also zum Beispiel einen USB Stick in einen PC zu stecken um Daten zu klauen.

Es macht einfach so unglaublich viel Spaß mit der kleinen Drohne durch Lüftungskanäle zu brettern um unbemerkt einen CtOS Kasten zu hacken, damit Marcus letztendlich die Tür zu einem Serverraum öffnen kann.

Hack the Planet [Quelle: Ubisoft]
Hack the Planet [Quelle: Ubisoft]

Durch das Erledigen von Haupt- und Nebenmissionen, sowie durch das Hacken von in der Stadt verteilten Laptops und Routern erhält man „Hacker Punkte“ mit denen man den Fähigkeitenbaum erweitern kann. So kann man seinen Charakter nach Belieben leveln. Schleicht man lieber durch die Levels und greift Gegner aus dem Hinterhalt an, verbessert man die dafür relevanten Fähigkeiten z.B. für den Elektroschocker. Ballert man sich lieber durch die Levels, verbessert man seine Fähigkeiten an der Waffe. Ist man dem Rennsport zugeneigt, verbessert man seine Fähigkeiten als Fahrer.

Ich für meinen Teil habe von Beginn an an den Fähigkeiten der Drohnen gelevelt, da ich diese wesentlich öfter einsetze als Waffen.

Hat man genug Geld gesammelt, kann man sich im 3D Drucker des Dead Sec Verstecks einen Quadcopter drucken. Hier kann man sich übrigens auch Waffen drucken wenn man das nötige Kleingeld zur Verfügung hat.

Seitdem ich die selbst gedruckte Drohne zur Verfügung habe, nutze ich den Quadcopter praktisch für jede einzelne Mission. Auch wenn ich sie nicht wirklich brauche, ich überfliege das Einsatzgebiet, Scanne die Umgebung und finde so schon oft den besten Weg um das Ziel zu erreichen.

Nun mag es sein, dass ich als Quadcopter Pilot im Real Life eher dazu neige diese Drohne im Game zu benutzen. Aber diese neuen Möglichkeiten die sich durch die beiden Drohnen auftun machen das Spiel für mich zu einem absoluten Highlight in 2016.

Disclaimer: Diese Spielekritik wurde uns freundlicherweise vom Gastautor Menirules (der echte Name ist der Redaktion bekannt) zur Verfügung gestellt. Vielen Dank. Ihr wollt euch auch auf Just-Nerds.de verewigen? Dann schreibt uns über unser Kontakformular

FAZIT

Watch Dogs 2 besticht durch sein originalgetreues und liebevoll gestaltetes San Francisco und seine vielfältigen Möglichkeiten.
Der Einsatz der beiden Drohnen macht ungemein viel Spaß und eröffnet ungeahnte Möglichkeiten was das Hacken und die Missionsstrategie angeht.
Schleichen, ballern oder hacken? Jede Mission stellt einen vor die Frage wie man vorgehen möchte.
Für den erfahrenen und in die Jahre gekommenen Zocker mag das Spiel ein wenig arg auf Jugendstil getrimmt sein. Mich hat es nicht gestört.

Und noch ein kleiner Hinweis zum Schluss: Ganz am Anfang als man mit seinen neuen Dead Sec Kumpanen am Strand abhängt und etwas zu tief ins Glas guckt rempelt man mit einem Jogger zusammen. Merkt euch das Gesicht des Joggers und diese Szene, sie wird im Verlauf des Spiels noch wichtig werden! (SM)

Zweite Meinung

Ich muss gestehen ich bin bei Watch Dogs 2 nicht so euphorisch. Zugegeben Ubisoft hat an vielen Kritikpunkten des Vorgängers gefeilt und das virtuelle San Francisco gefällt mir deutlich besser als Chicago. Wo man es meiner Meinung nach aber übertrieben hat sind die Protagonisten. Mag sein dass ich schlicht zu alt bin aber diese Hipster-Bande ist mir durch und durch unsympathisch. Dazu kommt dass sie vor Klischees nur so triefen. Ein Beispiel? Es gibt einen Autist in der Gruppe, der ist natürlich das Brain. Es gibt neben Marcus noch einen weiteren Quoten-Schwarzen, einen mega coolen Freak mit Emoji-Maske und natürlich auch das Quoten-Hacker-Chick deren einziger Charakterzug der ist eben weiblich zu sein. Dazu kommt eine, wie ich finde, wirre Story um den Kampf für den Datenschutz der offenbar kriminelle Aktivitäten erfordert weil man ja nur damit Follower generiert und die Öffentlichkeit aufrüttelt. Die Drohnen sind ein gelungenes Gameplayelement und es macht durchaus eine Zeit Spaß alles und jeden zu hacken. Wenn doch nur mein "Avatar" und seine Crew nicht so hip wären. (SH)



Gesamtwertung:  7,5

Wertungen  
Grafik 8 / 10
Sound  7 / 10
Steuerung 7 / 10
Gameplay 9 / 10
Multiplayer - / 10 
Singleplayer  8 / 10 



We Love...

  • Großes, interaktives San Francisco
  • Viele neue Möglichkeiten (Drohnen!)
  • Abwechslungsreiche Missionen
  • Langzeitmotivation durch viele Nebenmissionen und Charakter-Leveling

We don't Love...

  • Teilweise ziemlich doofe KI
  • Kein springen möglich


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