Transformers - Devastation im Just-Nerds Test: Ein Fest für Nostalgiker, grausig für Epileptiker

Quelle: Platinum Games
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More than meets the eye, jeder der auch nur annähernd etwas Nerdblut in sich hat sollte an dieser Stelle den kultigen Transformationssound hören und ab sofort einen verträumten, auf Außenstehende etwas debil wirkenden, Gesichtsausdruck sein eigen nennen.Bereits seit den 80ern gehören die verwandlungsfähigen Roboter zu einem der beliebtesten Kinderspielzeuge und auch heute noch ist die Faszination ungebrochen, trotz Michael "Krachbumm" Bay. Nach vielen miesen Filmumsetzungen zu noch mieseren Filmen versuchen nun Platinum Games ihr Glück und das verdient aus zweierlei Gründen Aufmerksamkeit.


Autobots: ROLL OUT

Wie oft wurde nicht schon versucht die Transformers zu versoften, mal mehr, oft weniger erfolgreich. Einer der wenigen Lichtblicke in der Software-Vita von Optimus und Co stellen die beiden Titel der Cybertron-Reihe dar, entwickelt von den High Moon Studios für PS360. Leider war der inoffizielle dritte Teil Rise of the Dark Spark wieder absoluter Müll und des Franchise nicht würdig. Dennoch lieferten High Moon Studios aber immerhin den Beweis, dass Transformerspiele richtig geil sein können (Cybertron) bis eine Filmlizenz mit verwurstet wird (Rise of the Dark Spark). Daher ist es Platinum hoch anzurechnen, dass sie sich nicht auf irgendwelche Film- oder Serienlizenzen stützen, zumindest keine der aktuelleren Zeit, sondern back to the roots gehen. Das Design der Transformers und Decepticons wurde daher direkt der G1-Serie entliehen. Soviel vorweg, Transformers Devastation wirkt dadurch wie eine aufpolierte Trickfilmversion der Originalserie – we love it.

Quelle: Platinum Games
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Schon beim ersten Auftreten von Optimus, Bumblebee, Megatron, Starscream und Co zieht sich uns ein fettes Grinsen ins Gesicht, dass wir beinah den gesamten Test über beibehalten. Die virtuellen Riesenrobots sehen ihren 80er-Pendants wirklich extrem ähnlich und man kann Platinum an dieser Stelle nur loben für diese Designentscheidung. Wer denk damit sei Schluss mit Fanservice, wird sich schnell eines Besseren belehrt fühlen. So konnte PG für alle wichtigen Bots wie Optimus die Originalsprecher rekrutieren und so lauschen wir dem vertrauten Organ von Peter Cullen alias Optimus Prime, freuen uns über Frank Welker als fiesen Megatron und feiern den melodischen "Sprechgesang" von Soundwave.

Halten wir also in einem Zwischenfazit fest: Optik passt, Sound stimmt – haben wir hier also einen Hitkandidaten?

Quelle: Platinum Games
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All Hail Megatron

Leider nein. Wo die Optik an einen spielbaren Trickfilm erinnert, kann die Kameraführung leider nicht mithalten. Zu oft verliert ihr eure Gegner aus dem Fokus (was daran liegt, dass diese meist größer sind als ihr). Generell wäre das kein Beinbruch da man die Kamera jederzeit frei nachjustieren kann, leider haben Platinum aber auch das PG-typische Gameplay eingebaut, welches man bereits aus Bayonetta, Metal Gear Rising und Co kennt und wer diese Spiele gespielt hat weiß was das bedeutet: Highspeed. So kommt es auch, dass die Transformers sich so gar nicht träge durch hübsche aber zu oft recycelte Areale kloppen, in einem Tempo dass irgendwie so gar nicht passen will. Die Transformers der 80er waren vergleichsweise eher schwerfällige Kameraden, hier mutieren sie zu einer Mischung aus Powerrangers und Mobile Suit Gundam. Das Kampfsystem ist quasi eine Kopie von Bayonetta, nur mit weniger Kombos. Ihr kloppt auf den Gegner ein und könnt nach erfolgreicher Kombo eine stärkere Fahrzeugattacke starten bei der ihr euch transformiert und den Gegner umfahrt. Ebenso lädt sich konstant ein Specialbalken auf mit dem ihr dann schlussendlich einen verheerenden Megaangriff vom Stapel lassen könnt. Hier empfehlen wir aber ganz klar euch diesen für die Bosse aufzusparen. Also ob das noch nicht genug Bayonetta-Hommage wäre, wurde auch gleich die Hexenzeit eingebaut. Nach erfolgreichem ausweichen wird der Gegner also für einen Augenblick in der Zeit eingefroren und ihr könnt ihm eine Kombo um die Ohren ballern. Ein sehr stylischer Effekt dessen Timing aber etwas kniffelig erscheint.

Quelle: Platinum Games
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Insgesamt ist Transfomers Devastation eine wilde Action-Fusion. Wir würden sogar so weit gehen und sagen westliche Optik trifft auf japanisches Gameplay. Das muss natürlich nicht per se schlecht sein wie o.g. Titel gezeigt haben, immerhin gilt Platinum als einer der High Speed Action Profis, aber leider kann der Kameramann nicht mit dem Tempo der Kämpfer mithalten. Extrem lästig wird das in den Bosskämpfen bei denen ihr oft gegen größere oder zwei Gegner zur selben Zeit antreten müsst. Hier kam es oft vor das uns ein Schlag aus dem Off traf den wir nicht mal kommen sahen. Umso schmerzhafter, wenn uns die Schläge der Bosse mal eben 20% unserer Energieleiste kosten. Ebenso oft kam es vor, dass wir hilflos in einer Schlagserie gefangen waren und nur noch passiv zuschauen konnten wie der Lebensbalken schrumpfte. Eure Fernwaffen werdet ihr im gesamten Spiel kaum brauchen, zumal diese auch vergleichsweise wenig Schaden machen. Der Fokus liegt ganz klar auf Klopperei im Nahkampf. Bei Bossfights hat sich eine Hit&Run-Taktik bewährt. Verwandelt euch in ein Fahrzeug und attackiert den Gegner mit der Fahrzeug-Attacke, wenn diese trifft bekommt ihr direkt die Chance einen weiteren Fahrzeugangriff folgen zu lassen, dass sollte den Boss staggern und ihr könnt mit einer Kombo nachsetzen. Klingt lahm, hat sich aber als beste Taktik gegen teils recht starken Bosse bewährt. Wäre die Kamera etwas mehr auf Zack könnte man sich dem Gegner auch etwas "ehrenhafter" stellen.

 

Destructicons – Assemble

Weitere Kritik gibt es für die Story. Konnte Platinum hier in den bisherigen Titel durchaus solide Geschichtenerzählkunst bieten, bleibt Transformers hier eher schwachbrüstig. Die Handlung würde vermutlich auf einen Bierdeckel passen – hochkant.

Habt ihr euch für einen Transformer eurer Wahl entschieden, die Decepticons sind in der Story nicht spielbar, könnt ihr diesen auch aufleveln und seine Bewaffnung editieren. Hierbei habt ihr die Möglichkeit Waffen zu verschmelzen um stärkere Waffen zu erzeugen. Leider ist das System etwas undurchsichtig und unübersichtlich, trotz Sortierfunktion. Am Ende des Tages empfiehlt es sich, sich auf einen Bot zu konzentrieren und diesen hochzuleveln, statt dauernd zu wechseln. Langweilig wird euch sicher nicht werden, da die Story nach gerade mal 5-6 h durch ist. Danach wartet noch ein Herausforderungsmodus auf euch, der aber irgendwie auch nicht allzu lang fesseln kann. (SH)

FAZIT

Licht und Schatten

Was hab ich mich auf Transformers gefreut. Bereits bei den ersten Teaserbildern habe ich, als alter G1-Fan, einen feuchten Schlübber bekommen. Rein von Design hat sich das bis heute nicht geändert. Leider kann ich mich aber mit dem schnellen, „hektischen“ Gameplay nicht wirklich anfreunden. Nur weil es bei Raiden und Co funktioniert muss es das eben nicht auch bei tonnenschweren, meterhohen Robotern. Daran ist aber zu großen Teilen der Kameramann schuld. Zu oft zeigt er mir nicht meinen Gegner und ich werden von Attacken getroffen die aus dem Offscreen kommen. Gerade bei einem Kampfsystem dass auf Ausweichen und Timing ausgelegt ist, endet sowas oft in Frust pur. Das Kombosystem ist mehr als überschaubar und das Waffen-/Itemmenü ziemlich unübersichtlich. Wer Bayonetta gespielt hat wird sich aber recht schnell heimisch fühlen. Optisch hat Platinum den Nagel auf den Kopf getroffen und auch die Verpflichtung vieler Originalsprecher war schlicht ein Geniestreich. Leider bleibt dem Titel das Platinum-Schicksal nicht erspart: Gutes Actionspiel aber wohl kein Kassenschlager. Für einen Nachfolger würde ich mir einen flotteren Kameramann wünschen oder ein entschleunigtes Kampfsystem, denn irgendwie will das schnelle Gedashe und Gewirbel nicht so recht zu den mächtigen Kampfrobotern passen. Für mich persönlich bleiben die beiden Cybertron-Titel daher die Referenz wenn es gameplay-technisch um Transformers geht. Was Look und Sound angeht haben PG die Krone übernommen – Fanservice wie man ihn sich wünscht.  Transformers- und Fans von Platinum Games Spielen können bedenkenlos zugreifen, wer mit Hack&Slash a la Bayonetta, DMC und Co nichts anfangen kann sollte besser erst Probespielen.

Gesamtwertung: 7/10

Wertungen

Grafik 9 / 10
Sound  9 / 10
Steuerung
7 / 10
Gameplay 6 / 10
Multiplayer -
Singleplayer  7 / 10 

AWARD

/




We Love...

  • Zeichentrickoptik trifft perfekt die G1-Serie
  • Originalsprecher wie Peter Cullen

We don't Love...

  • 5-6 h sind leider sehr kurz für die Kampagne
  • übertriebenes Levelrecycling für so kurze Spielzeit
  • Kamermann ist mit schnellem Gameplay oft überfordert
  • Schwerpunkt auf schnellem Nahkampf passt eher zu Mobile Suit Gundam als zu Transformers


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Zuerst veröffentlicht auf gamezone.de am 10.08.2015