Titanfall 2 im Just-Nerds Test: Hat Respawn aus den Fehlern des Erstlings gelernt?

Was gibt es besseres als große Mechs? Richtig, noch mehr große Mechs und die spendieren uns Respawn in der Fortsetzung des launigen Shooters Titanfall. Ob die Materialschlacht dieses mal in auf Augenhöhe mit Call of Duty und Battlefield konkurriert verraten wir euch in unserem Test.

 

Es hätte so schön sein können....

...damals, als Titanfall als neue IP sein Debüt exklusiv auf der Xbox One gab. Der Titel bot rasantes, agiles Movement gepaart mit titanischen Kampfrobotern. Leider stieß die konsequente Ausrichtung auf Multiplayer, also die Ex-Cod-Macher eingeräumt dass es damals schlicht an Personal und Mitteln fehlte da man sich noch im Rechtsstreit mit dem Ex-Arbeitgeber befand. Diese Querelen sind nun ausgestanden und man konnte sich voll auf Titanfall 2 konzentrieren. Am deutlichsten wird dass wohl in der Tatsache dass uns Respawn nun eine vollwertige Kampagne für Solisten anbietet.

Vergesst R2-D2, hier ist BT-7274[Quelle: Respawn]
Vergesst R2-D2, hier ist BT-7274[Quelle: Respawn]

 

Buddy-Movie mal anders

Er kommt, Jack Cooper, ein Mann und sein Aut.... ähhh, Kampfroboter. Bevor ihr aber zur Elite der Streitkräfte, den Piloten, gehören dürft beginnt euer Dienst als Schütze Arsch. Ihr absolviert dass aus der Beta bekannte Tutorial und bevor ihr euch im Titan bewähren dürft werdet ihr attackiert und eure Aufnahmeprüfung endet vorzeitig. Respawn verfrachtet euch also nicht direkt ans Steuerpult der Kampfroboter. Erst im Lauf der ersten Mission bekommt ihr, leider ziemlich klischeehaft umgesetzt, den Führerschein für Titanen. BT-7274, so der Name eures neuen besten Freundes, und das meinen wir auch so. BT ist nicht einfach nur ein Kriegswerkzeug sondern verfügt über eine Persönlichkeit und erinnert damit sehr stark an Wunderauto KITT, aus der 80er- Serie Knight Rider. Ebenso wie der schwarze Flitzer fehlt es BT nämlich ab und an am Verständnis für Menschlichkeiten. Dieser Umstand führt zum einen oder anderen Schmunzler im Verlauf der Kampagne, denn ebenso wie KITT sprecht ihr immer wieder mal mit eurem Steel-Buddy mittels eines rudimentären Dialogsystems. Was die emotionale Bindung eures Titan angeht hat man den Mund aber ein wenig zu voll genommen. So sympathisch BT-7274 auch sein mag, hier hat Respawn im Vorfeld etwas übertrieben was die lernende und sich bindende KI angeht.

Habt ihr dann nach der Einführungsmission endlich alle Voraussetzungen erfüllt heißt es „Butter bei die Fische“ und Platz genommen im Pilotensessel. Fortan streunt ihr als Duo durch die weitläufigen Areale und habt dann fast immer die Wahl zwischen „bleib ich im Titan oder geh ich zu Fuß“. Nur in einigen Levelabschnitten nimmt euch das Spiel diese Entscheidung ab und zwingt euch zum Einen oder Anderen. Persönlich hätten wir uns ein paar mehr Mechpassagen gewünscht aber das ist eine rein subjektive Sache. Leider bleibt die Story im gesamten Verlauf recht banal. Es wirkt fast wie ein Versatz aus fast allem was die Science Fiction-Welt zu bieten hat. Eine böse imperiale Armee, Rebellen, Kampfroboter, Massenvernichtungswaffen und Planetenkiller und weil dass noch nicht genügt noch ein wenig Zeitreisen. Man muss aber fairerweise sagen dass es sich um einen Shooter handelt und kein RPG-Schwergewicht im Stil eines Witchers und ganz ehrlich? So flach die Story sein mag, sie unterhielt uns. 

IMC vs Rebellen [Quelle: Respawn]
IMC vs Rebellen [Quelle: Respawn]

 

Lehrstunde in Leveldesign

Wo die Story ein wenig schwächelt punktet das Leveldesign in allen Punkten. Hier wischt Titanfall 2 in der Kampagne mal lockerden Boden mit jedem CoD-SP seit Modern Warfare 2 auf. Nicht nur sind die Level herrlich weitläufig sie sind auch extrem liebevoll und hübsch ausstaffiert. Sicher erinnert ihr euch an die belebten Maps und Skyboxen des Erstlings, dieses Leben hat Respawn nun in die Levels seines Singleplayer-Modus gepackt. Im Dschungel attackiert euch bisweilen neben der IMC auch mal die Fauna, oder ihr wartet einfach bis selbige die IMC-Truppen für euch erledigt und wischt dann die Reste auf. Wer nun denkt Titanfall bietet eine 08/15-Shooter-Kampagne a la Moorhuhn der irrt. Was hier an Abwechslung im Gameplay geboten wird werdet ihr in keinem anderen Shooter der letzten Jahre finden. Nicht nur der Wechsel zwischen den schnellen Gefechten als Pilot und den eher langsamen aber brachialen Gefechten wenn die Titanen das Feld betreten, was alleine schon für mehr Abwechslung sorgt. Respawn geht noch einen Schritt weiter und bindet ganze Levelabschnitte ein die nur aus Plattformsequenzen besteht und damit an ReCore erinnert, nur in weniger frustig. Das reicht euch nicht? Kein Problem es gibt auch noch Passagen in denen ihr auf Knopfdruck in der Zeit springt was nochmal einen Schuss Würze sowohl in die Feuergefechte als auch in die Geschicklichkeitspassagen bringt. Um euch ein wenig an die neuen Loadouts im Multiplayer zu gewöhnen sammelt ihr im Verlauf der Handlung regelmässig neue Waffen für euren Titan. Diese Setups könnt ihr jederzeit auf Knopfdruck, quasi on the fly, wechseln. Das mag nicht realistisch sein aber immerhin sprechen wir hier von gigantischen Panzern auf zwei Beinen. 

 

Besonders hervorheben möchten wir an dieser Stelle die Mission „Blut und Rost“ sowie „In den Abgrund“. Was alleine in diese beiden Missionen an Ideen ins Leveldesign rein gepackt wurde bietet mehr als die gesamte Kampagne der Shooter-Konkurrenz. In diesen Missionen kämpft ihr euch durch eine riesige, automatisierte Fabrik. Anfangs erschließt sich euch nicht was hier überhaupt aus den riesen Stahlplatten gebaut wird. Je weiter ihr in die Anlage, und damit in der Produktionskette, vordringt desto mehr erkennt man dass hier Fertighäuser bzw. Bausätze gebaut und montiert werden. Ihr erlebt hier quasi „Leveleditor live“ während ihr euch durch die Feindeshorden ballert und durch die entstehenden Gebäudekomplexe turnt. Das ganze gipfelt dann in einem Endkampf in einer Art Holo-Dome wo vor euren Augen aus den Bauteilen eine kleine Siedlung zusammengesetzt wird in der ihr dann um euer Leben kämpft. Genial. Schaut hierzu unbedingt auch unser kommenden Reviewvideo an in dem wir euch einen Eindruck dieses Areals vermitteln, natürlich spoilerfrei.

Clash of the Titans [Quelle: Respawn]
Clash of the Titans [Quelle: Respawn]

 

Mehr ist besser

Ob dass auch für den Mehrspielerpart (ok die Überleitung war mies) gilt verraten wir euch in Kürze. Wir konnten bislang einfach noch nicht lange genug spielen um uns hier ein Urteil zu erlauben. Im Vergleich zum Vorgänger bekommt ihr aber nicht mehr nur drei Titanen die ihr frei ausrüsten dürft sondern ganze sechs der Kampfmaschinen. Diese dürft ihr leider nicht mehr so frei konfigurieren wir in Teil 1. Stattdessen bekommt ihr vorgefertigte Setups mit unterschiedlichen Schwerpunkten in Bewaffnung, Agilität und Panzerung. Damit sind eure Offensiv- und Defensivmittel festgelegt. Modifizieren dürft ihr eure Mechs trotzdem noch ausreichend und zum Beispiel einen Zusatzboost nutzen. Was für die Titans gut ist kann für die Piloten nur billig sein. Auch hier dürft ihr euch austoben was Perks und Bewaffnung angeht. Daneben schaltet ihr auf für eure Waffen Items wie Visiere, Munitionsupgrades und so weiter frei. Wir werden den Multiplayer noch weiter spielen und euch dann in einem Test-Update noch mehr Infos und natürlich eine Wertung liefern.

 

Disclaimer: Im Gegensatz zu anderen Websitens haben wir Titanfall 2 nicht auf einem Testevent des Publishers gespielt sondern in der heimischen Zockerhöhle. Aus diesem Grund ergänzen wir den Test und die Wertung auch in den kommenden Tagen um den Multiplayerteil und neue Ingame-Screenshots um euch einen besseren Eindruck der Grafik zu vermitteln.

UPDATE:

Seit dem Release sind nun einige Tage ins Land gezogen und wir konnten uns einen umfassenden Eindruck vom Multiplayer machen. Wer den Vorgänger kennt wird sich zunächst über die doch tiefgreifenden Änderungen wundern. Beginnen wir mit den Piloten und Titanen. Wie mittlerweile in Multiplayertiteln fast üblich levelt ihr euren Piloten nach und nach hoch und schaltet mit jeder Stufe neue Perks frei. Auffälligste Änderung hierbei: XP werdet ihr vergeblich suchen. Zwar gibt es im Spiel Punkte für Abschüsse, diese verkürzen aber nur die Wartezeit auf den Titan oder laden den Kern eures Kampfroboters auf. Gelevelt wird bei Titanfall 2 mittels Errungenschaften die ihr im Matchverlauf erreicht. Für eine gewonnene Runde gibt es so z.B. einen Aufstiegspunkt, für eine gute Leistung nochmal einen, für das Levelup einer Waffe oder eines Titanen usw. Selbst für die schlichte Teilnahme und Beendigung einer Runde gibt es einen Punkt. Dass mutet zwar erst einmal ungewohnt an, funktioniert aber im der Praxis sehr gut. Wir behaupten sogar, durch den Verzicht auf „Abschuss-XP“ und K/D-Vergleiche wird der Spieler dazu gebracht zweckdienlicher zu agieren und nicht nur auf die eigene Statistik zu schielen. Außerdem haben selbst schlechte Spieler die Chance regelmäßig ihr Erfolgserlebnis (in Form eines Level-Up) zu erleben, während gute Spieler eben einfach nur schneller leveln. Ebenfalls neue Wege geht man beim Thema Loadouts. Ihr könnt nach wie vor euren Piloten konfigurieren wie es euch gefällt (Kletterhaken, Unsichtbarkeit, Schildwall usw.) und dessen Waffengattung frei wählen. Bei den Titanen scheint es im ersten Moment als würde man durch die nun fixen Chassis/Waffen-Kombos eher eingeschränkt – dass können wir nicht bestätigen. Die verfügbaren sechs Titanen spielen sich alle schön unterschiedlich und haben ihre individuellen  Stärken und Schwächen. Im Vorgänger kristallisierte sich im Laufe der Zeit eine Art „Standard-Loadout“ heraus was auch von der Mehrzahl der Spieler genutzt wurde. Diese Routine bricht Respawn erfolgreich auf da es den einen optimalen Build nicht mehr gibt.  Für alte Hasen ist das aber kein Grund nun Schaum vor dem Mund zu bekommen. Trotz der festen Einteilung gibt es noch genug Konfigurierbares für euren Titanen. Als kleine Entschädigung gibt es außerdem nun haufenweise Skins für den Titan, Pilot und die Waffen.

 

Was Altes, was Neues und was, ähmm, Optimiertes

Neben den „Klassikern“ wie Team-Deathmatch, hier Materialschlacht genannt, Deathmatch (jeder gegen jeden) und Capture the Flag finden sich hier auch die aus dem Vorgänger bekannten Modi wie Pilot vs Pilot oder Titan vs Titan wieder. Letzterer spielt sich nun, dank der vorgefertigten Titanklassen deutlich interessanter als bei Titanfall 1. Mit den neu eingeführten Fixklassen wird auch das Teamplay in den Vordergrund gestellt. Ein Team mit einer ausgewogenen Kombination aus den verschiedenen Klassen hatte in unseren Testsessions meist die Nase vorne wenn es gegen ein Team ging welches sich ausschließlich aus einem oder zwei verschiedenen Modellen zusammensetzte. Für uns ein Beweis dass Respawn die verschiedenen Klassen gut abgestimmt hat.

Ein weiteres kleines Highlight stellt der Modus Kolosseum dar. Hier tretet ihr in einer kleinen runden Arena im One on One gegen einen anderen Piloten an. Waffen und Loadout sind vorgegeben, es gewinnt wer besser ist (oder das nötige Quentchen Glück hat) und nicht der, der bereits die besten Perks freigespielt hat. Leider kostet dieser Modus „Eintritt“ in Form von Credits die ihr in den Gefechten verdient. Dabei gilt: 1 Aufstiegspunkt = 1 Cr.

Daneben dürft ihr nun auch Private Matches starten und auch solo bestreiten. Aufstiegspunkte gibt es dafür zwar keine aber ihr könnt in Ruhe die Maps erkunden und kennenlernen.

Alles in allem kann die Mischung aus alten und neuen sowie überarbeiteten Modi überzeugen.

Komplett gestrichen wurden die Burncards aus Teil 1. Von diesen Sammelkarten konnten damals drei Stück in jede Runde mitgenommen und als Einmal-Perk aktiviert werden. Ok, ganz gestrichen wurden sie nicht, aber statt euch mit Karten zuzumüllen dürft ihr nun einen Boost wählen der sich nach einiger Zeit aktivieren lässt. Dies können z.B. Geschütze oder stärkere Waffen sein. Da ihr die Boost nur begrenzt einsetzen könnt bleibt die Balance erhalten.

Stichwort Balance: Hier kann man Respawn nur loben. Bereits im ersten Auftritt der Titanenschlachten haben die Ex-Cod-Macher es geschafft die Kämpfe zwischen agilen aber schwachen Piloten und robusten aber trägen Mechs super auszubalancieren. Im zweiten Teil wurde dieses Balancing noch etwas verfeinert.

Ob der Multiplayer das Potential hat ein ebensolcher Dauerbrenner zu werden wie Battlefield 1 werden unter anderem auch die künftigen Maps und Modi zeigen, die laut Respawn übrigens alle kostenlos sein werden – Seasonpass oder Premiumaccount? Nicht mit Titanfall 2.

FAZIT

Es geht doch Respawn.

Drei Kandidaten konkurrieren dieses Jahr im Herbst um die Shooterkrone. Ich persönlich würde an dieser Stelle aber Battlefield 1 ausklammern auf Grund des Setting im Ersten Weltkrieg. Bleibt also der Zweikampf der „Sci-Fi-Shooter“ und was den Singleplayer angeht pulverisiert Titanfall 2 alles was Call of Duty seit Modern Warfare 2 geboten hat. Die Story gewinnt zwar keinen Grimme-Preis aber unterhält gut. Wo Titanfall 2 auftrumpft ist das Leveldesign und das Gameplay. Egal ob ihr als Pilot im Parkourstil durch die hübschen Levels turnt oder euch als Metallkoloss Gefechte liefert, das Gameplay flutsch einfach. Hier wurden die Stärken des Vorgängers nochmal verfeinert. Was euch dann in den Titanenschlachten geboten wird ist ein Feuerwerk. Da zischen Raketen durch die Gegend, Laser blitzen auf, Geschosse zerfetzen eure Chassis oder besser die eurer Gegner. So muss eine Shooterkampagne heute aussehen. Der Multiplayer ist nicht mehr der Kernpunkt sondern erweitert Titanfalls starken Singleplayer. Die Mischung aus alten, neuen und modifizierten Modi ist kurzweilig und dank des neuen Levelsystems haben auch Gelegenheitspiloten ihren Erfolg. Ausufernde 60 min Schlachten a la Battlefield-Domination dürft ihr bei Titanfall nicht erwarten. Stattdessen erwarten euch je nachdem agile Parkourkämpfe oder brachiale Titanenschlachten. Garniert wird das Ganze mit einem perfekten Balancing trotz der extrem unterschiedlichen Kombatanten.(SH)

Gesamtwertung:  2+

Wertungen  
Grafik 2-
Sound  2
Steuerung 1-
Gameplay 2
Multiplayer
Singleplayer  2+ 

Award




We Love...

  •  Mechs? Geht immer ;)
  • Abwechslungsreiche Solokampagne
  • Kurzweiliger Multiplayer
  • Balancing 1+ mit Sternchen
  • Künftige Maps und Modi kostenlos
  • Haben wir schon Mechs erwähnt?

We don't Love...

  • Solokampagne auf Normal schon in 5 Stunden durch
  • Neues Klassensystem der Titans ist nicht jedermanns Fall
  • Nebencharaktere der Kampagne bleiben recht uninteressant
  • Bossgegner werden zu wenig inszeniert/zelebriert


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