The Technomancer im Just-Nerds Test: Von Durchschnitt und Mittelmaß

Quelle: Focus Home Interactive
Quelle: Focus Home Interactive

Spiders, ein Entwickler der sich zuletzt zusammen mit Focus Home Interactive versuchte einen Namen im RPG-Genre zu machen. Titel wie Of Orcs and Man und zuletzt Bound in Flames (Reviews zu beiden findet ihr auch hier auf Gamezone) hatten zwar einen gewissen Spaßfaktor, glänzten aber vor allem durch eines: Mittelmäßigkeit.

Haufenweise Skills, Attribute und Perks [Quelle: Focus Home Interactive]
Haufenweise Skills, Attribute und Perks [Quelle: Focus Home Interactive]

 

Es war einmal 

Mars, zweitkleinster Planet unseres Sonnensystems und seit Jahrzehnten das erklärte Ziel irdischer Weltraumsiedler. Doch wo zuletzt Matt Damon gescheitert war, hatten laut Spiders unsere Kindeskinder mehr Erfolg. Diese sind nämlich auf den Mars ausgewandert und im Lauf der Jahrzehnte ging sogar der Kontakt zur Erde verloren. Aber wie zu erwarten stellte sich heraus, dass auch auf dem roten Planet nicht alles Gold ist was glänzt. Machtgierige Konzerne übernahmen die Herrschaft, die Armee wurde von Geheimdiensten korrumpiert und leidtragend waren wie immer die kleinen Siedler. In einer lebensfeindlichen Umgebung, wo die Sonne im besten Fall Mutationen hervorruft und im schlimmsten der Sekundensonnenbrandtod droht lebt die Menschheit in Megastädten unter der Kontrolle elitärer Konzernkasten und der Knute des Militärs - Total Recall lässt grüßen. Einzig der militärisch-religiöse Orden der Technomancer wahrt sich noch ein Stück Souveränität und Neutralität.

Jetzt dürft ihr dreimal raten wen ihr im Spiel als Alter Ego steuert - richtig, einen dieser Technomancer. Genauer gesagt Zacharia Mancer, den ihr direkt vor seiner Initiation in einem rudimentären Editor selbst erstellen dürft. Im Laufe des Spiels entspinnt sich dann ein Geflecht aus Verrat, Spionage und Konzernkriegen.

Stöckchenholen mal anders [Quelle: Focus Home Interactive]
Stöckchenholen mal anders [Quelle: Focus Home Interactive]

Nen Kurzen in der Buchse..

Die Technomancer sind Menschen mit der Fähigkeit Strom zu kanalisieren und als eine Art Magie zu nutzen. Warum und wieso? Das erfahrt ihr im Laufe der Story und soll hier nicht gespoilert werden. Neben der Technomagie beherrscht euer Avatar natürlich auch verschiedene Kampfstile, die den gängigen Rollenspielklassen entsprechen. Der Clou am Kampfsystem - ihr könnt fließend, selbst während des Kampfes, den Stil wechseln. Zum einen gibt es den klassischen Stil der Technomancer, bei dem ihr einen Langstab schwingt. Alternativ dürft ihr auch den Gauner geben und euch mit einer Kombi aus Kurzwaffen und Pistole ins Gemenge stürzen. Wem dass auch nicht zusagt, der schnappt sich die "Schild und Keule"-Kombi und blockt gegnerische Attacken ab. Unabhängig von den drei Nahkampfstilen gibt es noch den Technomancerstil, quasi die Magieskills. Von Machtblitzen bis Elektrosturm bleiben hier keine Wünsche offen.

Klingt zunächst nach dem Paradies für Rollenspieler mit Entscheidungsschwierigkeiten - ist es aber nicht. In unseren Testsessions hat es sich als sinnvoll gezeigt sich voll auf den Technomancer-Skill zu konzentrieren, da ihr damit bei weitem am meisten Schaden anrichten könnt, bei Gegnern die oft in Horden angreifen und der unübersichtlichen Kamera in engen Arealen ein Must-Have. Ob ihr den Gegnern dann mit Dolch, Keule oder Stab den Rest gebt ist reine Geschmackssache. Natürlich könnt ihr auch ganz auf eine der Nahkampfklassen gehen und euch einfach einen der Technomagier in die Party holen, aber hey, das Spiel heißt "Technomancer" und nicht "Sci-Fi-Typ mit Schild und Hammerkeule".

Da kommt Star Wars Feeling auf, Blitzdingens wie ein Profi [Quelle: Focus Home Interactive]
Da kommt Star Wars Feeling auf, Blitzdingens wie ein Profi [Quelle: Focus Home Interactive]

 

Menage a trois

Wer den letzten Absatz aufmerksam gelesen hat wird sich nun fragen:"Party? Welche Party?" Nun, bereits recht früh im Spiel bekommt ihr zwei KI-Kameraden zugeteilt, die ihr auch tunlichst behalten solltet, außer ihr legt Wert auf Tode im Minutentakt und Ladescreens von 20-30 Sekunden. Im weiteren Verlauf der Handlung stellt euch The Technomancer dann noch weitere Kameraden zur Verfügung, von denen ihr jedoch immer nur zwei mit auf eure Trips nehmen dürft. Ihr dürft dann auch jedem Partymitglied ein standesgemäßes Arsenal verpassen, seien es Rüstungsteile oder eben Waffen (beides via Craftingsystem auflevelbar). Die Skilltrees eurer Mitstreiter werden euch allerdings vorenthalten. Jeder Mitstreiter bleibt also seiner Ursprungsklasse treu und die CPU entscheidet mit welchen Skills der Kamerad in die Schlacht zieht. Dabei ist die Kombi mit einem weiteren Technomancer schon fast zu stark ausgefallen. Wir bevorzugten eine Gaunerin und einen Haudrauf. Genre üblich kommt jeder Charakter auch mit seiner eigenen Sidequestreihe daher die eure Bindung vertieft, passive Skills gewährt und sogar romantische Techtelmechtel ermöglicht. Nette Info am Rande, da ihr nur einen männlichen Charakter erstellen könnt haben die Entwickler auch an gleichgeschlechtliche Loveinterests gedacht. Die Liebelei mit einem muskelbepackten 300kg-Mutantenkoloss bleibt aber leider unerfüllte Phantasie.

 

Closed Open World

Wer sich auf grenzenloses Herumstromern gefreut hat wird enttäuscht. Ihr bewegt euch durch mehr oder weniger große Areale die ihr zwar nahtlos wechseln könnt (z.B. vom Marktplatz in ein Lagerhaus), die Reise von Map zu Map wird jedoch immer von einem recht langen Ladescreen begleitet. Theoretisch wäre dass nicht schlimm, da die Areale ausreichend groß sind, praktisch müsst ihr aber oft zwischen den Arealen wechseln im Rahmen einer Quest. Da nervt es einfach irgendwann, wenn man nur für einen Kurzdialog in die Slums muss, zurück zur Börse von wo man wieder in den Slum geschickt wird. Macht in Summe drei Ladescreens für eine fünf-Minuten-Quest. Kommen dann noch ein bis zwei Bildschirmtode dazu wird das extrem nervig.

Wer auf Sightseeing aus ist wird ebenfalls nicht glücklich mit dem Mars. Grau und braun sind die vorherrschenden Töne, da retten auch die dynamischen Tag-Nacht-Wechsel nur wenig. Einer handvoll sehenswerter Panoramen steht eine Armee von Klongegner, grau-braunen Einheitswüsten und Co entgegen.

FAZIT

Kurzweiliger Lückenfüller

Ich hab mich echt auf The Technomancer gefreut. Mars als Setting, dazu die Elektrokräfte, das versprach ein spannendes Sci-Fi-RPG und nach der Schwemme an Mittelalter-Fantasy mal eine nette Abwechslung. Leider bleibt Spiders seinem Credo treu und schafft zwar einige Interessante Ansätze, die jedoch nicht wirklich konsequent durchgezogen werden. Dazu kommt ein 08/15-Hauptcharakter aus dem Basischaraktereditor. Um das Mittelmaß zu komplettieren erwarten euch typische Quests aus dem RPG-Baukasten, für vom Witcher verwöhnte Spieler ein doppelter Graus. The Technomancer ist nicht wirklich schlecht aber auch nicht wirklich gut. Ein klassischer Vertreter der „wenn's mal in nem Sale ist und sonst kein anderes RPG ansteht“-Spiele. Schade eigentlich. (SH)

 


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in Kürze

Gesamtwertung: 6,5 / 10

Wertungen  
Grafik 7 / 10
Sound  5 / 10
Steuerung 6 / 10
Gameplay 7 / 10
Multiplayer nicht vorhanden
Singleplayer  6,5 / 10 

Award

/


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We Love...

  • Technomancer als interessante Klasse
  • Dank Machtblitz kommt Star Wars Feeling auf
  • Phobos ;)
  • Kampfchoreo mit dem Stab

We don't Love...

  • schwache Optik
  • Backtracking
  • lange Laufwege mit Ladescreens bei Gebietswechsel
  • Minimap führt oft in Sackgassen



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