Starpoint Gemini 2 im Just-Nerds Test: Von großen Fußstapfen und kleinen Schritten

Quelle: LGM Games
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Mittlerweile ist es ja keine Sensation mehr wenn PC-Games irgendwann auch für Konsolen portiert werden. Ebenso ist es mittlerweile leider auch Normalität "Arcadegames" nicht mehr nur für einen Zehner anzubieten, sondern teilweise bis zu 40 Euro zu verlangen. Wir verraten euch, ob sich die Investition lohnt.

 

Der Weltraum...

Starpoint Gemini debütierte vor einigen Jahren auf dem PC. Der Titel erhielt damals eher unterdurchschnittliche Wertungen. Umso erstaunter waren wir dass man bei dem Kroaten von Little Green Men einen Nachfolger entwickelte und diesen dann auch noch für Konsolen portierte - genauer gesagt für die Xbox One. Wer nun befürchtet ob des fehlenden Vorgängers hoffnungslos im Storyuniversum verloren zu sein darf aufatmen, die Story passt nämlich auf einen Bierdeckel - hochkant. Darüber hinaus wird die simple "Papa wurde ermordet und Sohn rächt ihn nun"-Geschichte lediglich mit schnöden Textafeln und unmotivierten Sprechern präsentiert. Hier gewinnt man also, in Zeiten von Witcher und sonstigen Storymonstern, keinen Blumentopf. Zu Beginn habt ihr - eine Prise RPG kann ja nie Schaden - die Wahl zwischen drei Charakterklassen. So legt der Commander z.B. den Schwerpunkt auf Flottenunterstützung während der Schütze eher die Lonely Wolf Klasse ist. Abgerundet wird das Trio vom Ingenieur, der es versteht feindliche Schiffe zu hacken und Anomalien zu erzeugen. Ist diese Entscheidung getroffen, findet ihr euch also nach einer kurzen Ingame-Sequenz am Steuer eures Raumers und habt lediglich eine vage Richtungsvorgabe. Also flugs den Warpantrieb angeworfen und ab in Richtung Missionsziel Nummer 1....und ihr fliegt, und fliegt und fliegt und fliegt.... und damit sind wir schon bei einem der größten Kritikpunkte des Spiels.

Quelle: LGM Games
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...unendliche Weiten

Die Strecken die ihr überwinden müsst sind gewaltig und wenn ihr nicht gerade ein Vermögen für die Warptore ausgeben wollt, müsst ihr den Weg eben konventionell abzuckeln - und dass kann dauern. Flüge von mehreren Minuten Dauer sind keine Seltenheit. Ab und an könnt ihr dabei noch eine Anomalie am Wegesrand scannen und so ein paar XP und Credits nebenbei machen (was auch bitter nötig ist) aber ansonsten starrt ihr minutenlang auf einen unsexy Raumschiffshintern (eine Cockpitansicht gibt es nämlich nicht). Als wäre dass noch nicht nervig genug kann es passieren, dass ihr in ein Wurmloch rast wenn ihr die Flugdauer mal eben für eine Kaffeepause nutzt. Aus diesen Strudeln kann man zwar recht simpel ausbrechen, aber bis das geschafft ist (oder ihr es bemerkt) seid ihr mal eben 10.000 Meilen weiter von eurem Ziel entfernt, was eure Reisedauer dann unter Umständen auf eine zweistellige Minutenzahl verlängert. Wie gesagt, die Alternative sind Warptore, aber deren Nutzung kostet, Autobahnmaut lässt grüßen, schmerzhaft viele Credits. Überhaupt scheint irgendwer in der Zukunft ganz böse an der Inflationsschraube zu drehen. Ein neues Schiff kostet euch dann schon mal lockere 2 Mio. Credits. Bei Missionsboni im vier- bis fünfstelligen Bereich kann man sich ja ausrechnen wie viele der öden 08/15 Nebenmissionen man machen muss um den neuen Pott zu finanzieren. Wahlweise könnt ihr auch dem Handel frönen, was auf Grund der erwähnten Flugzeiten aber in das Gefühl eines interaktiven Screensavers ausartet oder eben, wenn ihr Warptore nutzt, eine monetäre Nullnummer ist.

Habt ihr dann ein wenig Kohle auf der hohen Kante könnt ihr euch bis zu zwei Söldner anheuern die euch begleiten (hier spielt dann die Klasse des Kommandant ihre Stärke aus) oder fähige Offiziere, die euch gewisse Boni gewähren oder euch ermöglichen feindliche Schiffe und Stationen zu entern.

Quelle: LFM Games
Quelle: LFM Games

 

Schweine im Weltall

Die Kämpfe laufen dann auch nicht als dynamische Dogfights im Stil eines Wing Commander ab, sondern haben eher etwas von Weltraumballett. Dabei manövriert ihr eure Schiff möglichst so, dass ihr eine gute Schussposition habt, gleichzeitig dem Feind aber auch die stärkste Schildsektion entgegen reckt. Dabei dürft ihr dann über ein übersichtliches Kreismenü eurer Mannschaft gewisse Ziele (z.B. Waffensystem) zuweisen oder direkt den "Fire at Will"-Befehl erteilen. Damit haben wir übrigens die beste Erfahrung gemacht, da die KI-Offiziere wesentlich besser zielten als wir. Die Kombination aus trägem manövrieren des Schiffes, Verwaltung des Energiehaushaltes und dabei auch noch das Ziel im Auge zu behalten, hat uns dann doch dezent überfordert. Überlassen wir unseren Offizieren die Artillerie, können wir uns darauf konzentrieren die Klassenskills einzusetzen und das Schiff in die beste Kampfposition zu zwingen. Dabei sind die Fights irgendwie noch das Highlight des Spiels und erinnern uns mit ihrer taktischen Komponente angenehm an Star Treck Legacy und Freelancer...ohne die Klasse des letztgenannten Titels zu erreichen. Leider schwankt der Schwierigkeitsgrad ziemlich und so kann man sich nicht immer auf die Levelangaben verlassen. Frustrierende Tode sind da unvermeidbar.

 

Captain an Deck

Wenig zu meckern gibt es bei der Steuerung. Die Anpassung an den Controller ist gelungen und man findet sich dank der Kreismenüs auch ziemlich leicht zurecht. Zumal aufwändige Andockmanöver a la Elite Dangerous hier nicht vorgesehen sind. Nähert ihr euch einer Station, genügt hier ein simpler Druck auf den A-Button um das Stationsmenü aufzurufen. Bei Elite Dangerous wären bis zu diesem Zeitpunkt ungefähr 20 verschiedene Spieleraktionen nötig gewesen.

Optisch kommt Starpoint Gemini 2 eher mau daher. Die oft genutzte Floskel "360-Grafik" trifft hier durchaus zu. Selbst auf der Lastgen wäre der Titel keine Grafikbombe. (SH)

FAZIT

Lahmarschige Spacesim mit Einschlaffaktor

Nein, Starpoint Gemini 2 ist leider kein Highlight. Zu dröge die Präsentation, zu schwach die Technik (z.B. kurzer Freeze beim Systemwechsel statt nahtlosem Flug). Öde „Fliege zu A, töte B, liefer C“-Missionen langweilen bereits nach kurzer Zeit. Einzig die Steuerung weiß zu gefallen, aber dass kann leider auch kein Spiel retten. Gerade wenn man die ebenfalls knapp 35,- teure Konkurrenz namens Elite Dangerous betrachtet, gibt es eigentlich kaum einen Grund sich Starpoint Gemini 2 zu kaufen. Daher unsere klare Empfehlung: wenn schon Space-Sim, dann Elite Dangerous oder einfach nochmal die Klassiker Freelancer und Co raus kramen.


Gesamtwertung: 5/10

Wertungen  
Grafik 6 / 10
Sound  6 / 10
Steuerung 8 / 10
Gameplay 5 / 10
Multiplayer -
Singleplayer  5 / 10 

AWARD

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We Love...

  • Steuerung mit dem Pad geht gut von der Hand
  • Kämpfe sind recht taktisch und damit eine nette Abwechslung zu schnellen Dogfights
  • Handelssystem bietet ausreichend Infos über Preise und Märkte....

We don't Love...

  • ...ist aber auf Grund endloser Transfers oder teurer Warps fast nutzlos
  • Flugzeiten jenseits von gut und böse
  • Technik aus der letzten Generation
  • Story? Verschollen im Weltall


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Zuerst veröffentlicht auf gamezone.de am 10.08.2015