Sleeping Dogs im Just-Nerds Test: Vom Leben und Sterben in Hong Kong

Fuck, das war knapp. Beinah hätte es mich erwischt. Wer ich bin und wo ihr hier seid fragt Ihr? Mein Name ist Wei Shen und ihr seid mitten in einem blutigen Krieg zwischen den Triaden und der Polizei der hier gerade in Hong Kong tobt.Welche Rolle ich dabei spiele? Das frage ich mich auch seit diese Scheiße angefangen hat....aber ich erzähl es euch am besten der Reihe nach.

 

Ich hab in meinen jungen Jahren viel Blödsinn getrieben, mit den falschen Leuten rum gehangen und so…ihr wisst schon. Später ging ich dann zur Polizei, wollte alles wieder gut machen, endlich das richtige tun und weg von diesem alten Leben das nur einen Weg kennt….nach unten. Leider hatte nicht jeder in meiner Familie das Glück die Kurve zu kriegen. Meine Schwester krepierte an den Drogen, die ihr meine sogenannten Freunde verkauft haben….tolle Freunde….aber wenn man hier aus dem Ghetto Hong Kongs kommt hat man 2 Optionen: Heul mit den Hunden oder geh vor die Hunde.

 

Nach diesem Schicksalsschlag ging ich in die USA….Amtshilfe haben sie gesagt…ich wurde Undercover in Gangs eingeschleust um die notwendigen Infos zu liefern die die Bosse zu Fall bringen. Meine Methoden waren nicht immer astrein aber effektiv. Nach diesem Auftrag kehrte ich in die alte Heimat zurück, zurück zu den Geistern der Vergangenheit die ich bislang erfolgreich verdrängen konnte.

 

Ihr fragt euch wieso mich anfangs die Bullen gejagt obwohl ich doch einer von Ihnen bin? Glaubhaftes Alibi nennt sich so was. Ich wurde geschnappt und mit einem meiner alten Kumpels zusammen in die U-Haft gesteckt. Das alles hatte nur einen Zweck. Ich sollte wieder zurück in die alte Gang und in diesen Kreisen macht sich eine Polizeimarke einfach schlecht.

Der Plan ging auf. Ich wurde erkannt und sofort wieder in die Familie aufgenommen. Natürlich nicht gleich ganz oben. Ich musste klein anfangen, Ladenbesitzer einschüchtern und Schutzgeld eintreiben. Mein alter Kumpel hat mich also über einen der Hinterhofmärkte geführt…miese Gegend, mieses Essen und noch miesere Typen und ich mittendrin. Wir haben also die kleinen Stände abgeklappert und haben den Besitzern klar gemacht, dass es besser wäre unseren Boss zu bezahlen. Nebenbei habe ich mir von der Kohle ein neues Outfit gegönnt. Macht schon was her und wenn man die Teile passend kombiniert fühlt man sich auch gleich stärker oder wird in den Geschäften mit Rabatt bedacht…stimmt schon was man so sagt: "Kleider machen Leute". 15-20 % Rabatt waren da drin wenn man sich z.B. im feinen Zwirn nen heißen Schlitten kaufen will statt mit ner abgeranzten Jeans dort aufzukreuzen. Aber zurück zum Thema.

Wir schlenderten also über den Markt und plötzlich glauben da ein paar Typen der Konkurrenz in unserem Gebiet wildern zu können. Nach einem kurzen Handgemenge rannte der Typ auch noch weg also nichts wie hinter her. Ich verfolge ihn über den halben Markt, weiche Passanten aus, rutsche über Tische und klettere über Zäune…was dieser Typ aus diesem Assassinen-Videospiel in Italien kann, dass kann ich schon lange. Am Ende erwischte ich den Typen auf einem Hausdach zusammen mit einigen seiner Gang. Dachte wohl er kann mich in die Falle locken… 5 gegen einen? Ziemlich unfair…den 5 gegenüber. Schnell fand ich mich mitten in einem ersten Handgemenge wieder. Ein Kick hier, ein Punch da, aber das wirkungsvollste Mittel gegen diese Möchtegerne war ein gut getimter Konter. 

Einen der Typen konnte ich mir sogar greifen und hab ihn dann mit dem Gesicht voran in einen Klimaanlagenrotor gedrückt…porentiefe Rasur inklusive. Leider kamen auch hier wieder einige Streifenpolizisten dazwischen, normalerweise hätte ich meine Marke gezückt und das Thema wäre durch, aber ich durfte meine Tarnung nicht aufgeben….noch nicht. Ein Gutes hatte die Aktion jedenfalls. Man wurde innerhalb der Organisation auf mich aufmerksam…ich konnte Karriere machen und mich hochdienen. Nur so kam ich an die hohen Tiere ran, nur so konnte ich meine Schwester rächen.

 

Natürlich musste ich aufpassen dass ich bei meinen Aufträgen keine Unschuldige verletze oder töte, trotz allem war ich ja eben immer noch ein Cop. Gleichzeitig nutzte ich meine neuen Verbindungen um einige offene Fälle aufzuklären. Mein Verbindungsoffizier war dafür so dankbar das er mir neue Sachen beibrachte, z.B. wie ich Autos knacken kann ohne Alarm auszulösen, wie ich effektiver mit Schusswaffen umgehe und am Ende konnte ich sogar Munition der Spezialeinheiten verwenden mit mehr Bumms. Immer wieder wurde ich Anfangs in Schlägereien verwickelt, war aber kein großes Problem. Hatte ich den ersten 1 bis 2 Gegner gezeigt wo der Hammer hängt flößte das den übrigen Schlägern Respekt ein. Schon interessant wie sie auf einmal alle zurück wichen und vorsichtiger wurden nachdem ich ihrem Kumpel die Kniescheibe zertrümmert hatte, aber was soll's mir konnte es recht sein. In dieser kurzen Phase konnte ich sie um so härter treffen. Einige dieser Vögel glaubten auch sie könnten mich mit Messern oder Schlagstöcken beeindrucken…leider falsch. Nach einem getimten Konter hatten sie ihr eigenes Schlachterbeil zwischen den Rippen. Wahlweise hob ich die fallen gelassenen Waffen einfach vom Boden auf und nutzte sie gegen ihre ehemaligen Besitzer…leider waren die Teile nicht sehr stabil, made in Hong Kong eben *lach*.

 

Mit dem Ruhm in der Organisation kam auch der Reichtum und natürlich auch die Frauen. Anfangs vegetierte ich noch in einem versifften 1-Zimmer-Wohnklo, später dann in einem Hausboot im Hafenviertel und sogar in einem Luxus-Penthouse im Nobelviertel…

Ihr wollt mehr von den Ladies wissen? Klar wer kann es euch verübeln. Ich hab während meines Undercovereinsatz einige Ladies gedatet, nie mehr als einmal, dafür war mein Lebensstil einfach zu gefährlich. Aber die Damen hatten Spaß und waren dankbar. Sogar so dankbar, dass sie mir wichtige Orte auf meiner Stadtkarte markiert haben. So konnte ich auch einen Blick sehen wo ich Überwachungskameras hacken, Geldkassetten plündern, Gesundheitsschreine aufsuchen konnte und Jadestatuen finde? Jadestatuen fragt ihr euch? Ein Undercovercop mit Sinn für Kunst? Nein nicht wirklich. Kurz nach meiner Rückkehr habe ich meinen alten Kung-Fu-Meister besucht. Irgendwelche Penner haben ihm seine 12 Jadestatuen geklaut, passend zu den Tierkreiszeichen des chinesischen Horoskops. Ich habe ihm natürlich versprochen die Teil zu finden, dafür wollte er mich unterrichten und mir neue Techniken beibringen. Quit pro quo eben.

Wie ich mich also so langsam in den Reihen der Triade etablierte und Karriere machte hatte es auf meinen Verbindungsoffizier den Anschein ich würde meinen Auftrag vergessen. Der wollte mich sogar mehrmals abziehen von dem Fall wegen Befangenheit. Scheiss Bürokrat. Der verstand einfach nicht wie das in den Triaden lief mit dem Vertrauen. Das ist ne verschworene Bruderschaft in der Treue und Loyalität zählte. Im Laufe meiner Ermittlungen brachte mich das teilweise in einen ganz schönen Gewissenskonflikt das könnt ihr mir glauben. Neben meinem Hauptziel, der Zerschlagung der Sun On Yee-Triade, verbrachte ich meine Zeit mit kleinen Gefälligkeiten für diverse Triadenmitglieder. Dazu gehörte z.B. das Beschaffen von Luxuskarossen auf Bestellung, das Eintreiben von Schutzgeld und ich hab mich an die Spitze der örtlichen Fight Clubs gekämpft. Vorher bin ich aber immer zu einem der kleinen Lebensmittelständen an der Straße oder in die Apotheke gefahren. So ein kleiner Snack, eine Dose Energydrink und ein Kräutertee beleben Körper und Geist. Danach fühlt man sich stärker und gesünder und wird nicht so leicht aus den Latschen gekloppt.

Hatte ich mal so was wie Freizeit hab ich mir eines meiner Autos oder Motorräder geschnappt und bin in Straßenrennen gegen irgendwelche Proleten angetreten. Da war je nach Rennen vom Kleinwagen über Motorräder bis zum Sportflitzer alles dabei. Recht spaßig das ganze zumal Hong Kong hier auch eine schöne Abwechslung geboten hat. Manchmal ging es mit den Motorrädern am Hafen entlang, im nächsten Rennen durch enge Serpentinen in die Hügel oder mit 200 km/h durch die Stadt. 

Egal ob bei Tag oder Nacht, Sonne oder Regen. Hong Kong ist einfach eine Stadt zum Verlieben und man kann sich in den Details verlieren. Leuchtreklamen, Lichterketten, Massagesalons, Clubs, Villen und Hochhäuser. Hier stimmt einfach die Mischung. Noch sehenswerter ist die Stadt bei Nacht und Regen kann ich euch sagen. Klar die Passanten rennen dann mit Schirmen rum und halten sich Zeitungen über den Kopf oder drücken sich in Hauseingänge, aber ich liebe den Regen. Die Straßen glänzen und reflektieren die ganzen Leuchtreklamen….atemberaubender Anblick wenn ihr mich fragt. Wenn ich keine Autos geklaut, Rennen gefahren oder Frauen gedatet habe war ich in einem der Clubs und hab mich mit ein wenig Karaoke abgelenkt…Nicht das ihr denkt das war alles was man in Hong Kong erleben kann. Auch Spieler finden hier ihr Glück beim Poker-Mahjongg und statt Kentucky Fried Chicken gibt es bei uns in Hong Kong Kentucky Fight Chicken...also Hahnenkämpfe.

 

Aber genug von den Ablenkungen des Alltags. Mein Job stand im Vordergrund und war klar definiert. Nach vielen abwechslungsreichen Aufträgen von verschiedenen Triadenbossen hatte ich endlich erreicht was ich wollte. Ich gehörte dazu, war einer von Ihnen geworden, einer der Bosse. Sie vertrauten mir…zumindest die meisten. Leider hielten aber nicht alle Führungsmitglieder der Sun On Yee soviel vom Ehrenkodex und Loyalität wie übrigen. Einer von Ihnen hatte mehr Dreck am Stecken und war machtgieriger als die anderen. Wollte das Geschäft alleine übernehmen und dafür war ihm jedes Mittel recht. Hätte ja keiner ahnen können dass der Verräter in den eigenen Reihen sitzt. Aber da hatte er die Rechnung ohne mich gemacht.

Nach einem dramatischen Ereignis das mich persönlich sehr getroffen hat war vorbei mit Leise treten. Ab da wurde weniger geprügelt und mehr geballert. Wer den Wind sät wird Sturm ernten sagt man…und in diesem Fall war es ein Bleisturm. Ich bin zwar ein versierter Nahkämpfer, aber wenn es sein muss kann ich auch mit diversen Schießprügeln ganz gut umgehen. Allerdings habe ich schnell gemerkt dass ich weniger die direkte Konfrontation suchen sollte, sondern mich von Deckung zu Deckung vorarbeiten muss. Dann und wann konnte ich einen der Penner auch mit einem eleganten Sprung über die Deckung direkt ausgeschaltet. Ist schon Wahnsinn wie das Adrenalin durch den Körper schoss sobald ich aus einer sicheren Deckung sprang, fühlte sich so an als würde sich die Zeit kurz verlangsamen und man konnte in aller Ruhe gezielte Kopfschüsse verteilen. Manchmal sind wir auch im Auto oder auf dem Motorrad in Schießereien verwickelt worden. Aber nach einer gezielten Salve auf die Räder der feindlichen Fahrzeuge legten die Säcke einen Hollywood reifen Abgang incl. Salto hin.

 

Als sich mein Auftrag dem Ende nährte überschlugen sich die Ereignisse. Die Grenze zwischen Freund und Feind, zwischen Richtig und Falsch, Gut und Böse verschwamm immer mehr…und all das führte mich nun zu diesem Punkt. Ob es das alles wert war fragt ihr? Auf jeden Fall. Sicher Hong Kong ist nicht Liberty City und es geht ernster zu als in Steelport aber es hat einfach seinen ganz eigenen Charme. Man sollte diese Hafenmetropole mal erlebt haben denn Langeweile kommt hier keine auf, das kann ich euch versprechen. Aber zurück zu mir wenn ihr erlaubt.

Ja ich habe überlebt, ja das Gute…wenn man es denn so nennen darf…..hat wohl gewonnen, aber zu welchem Preis......... (SH)


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Zuerst veröffentlicht auf gamezone.de am 10.08.2015