Lego Worlds im Just-Nerds Test: Voll auf die Klötze

Hört man den Namen "Lego" fallen wohl jedem sofort die dänischen, kleinen Bausteine ein mit denen man als Kind unendlich viele Stunden in seinem Zimmer herumgebastelt hat. Egal ob Mädchen oder Junge - Jeder hatte sie, selbst im Wartezimmer beim Arzt sind diese Steine bis heute zu finden. Mal in klein, überdimensional groß oder mit programmierbarer Technik gekoppelt - aber es gibt sie wirklich nahezu überall.

 

Blick zurück, nach vorne. 

Gerade die Eltern unter uns Zockern wissen: sitzt man, nach vielen Jahren der Lego-Abstinenz, mit seinem Nachwuchs auf dem Boden, vor einem ein Berg Lego-Steine dann ist sie auf einmal wieder da – diese Faszination „LEGO“. Man gibt sich wieder wie damals Mühe seine Burg oder sein Raumschiff so detailgetreu wie möglich zu erschaffen. Leider stellt man dann kurz vor Schluss, wenn man gerade im Endspurt angelangt ist, fest dass es nicht genügend Steine gibt oder das Kind, in einem Augenblick der Unachtsamkeit, das Bauwerk mit einem heran fliegendem Stofftier zerstört. Um solche Dramen und mögliche Adoptionsfreigaben zu vermeiden haben die Mannen von TT Games nun einen virtuellen Legokasten auf den Weg gebracht: Willkommen bei Lego Worlds.

Sweet Dreams are made of...Lego [Quelle: TT Games]
Sweet Dreams are made of...Lego [Quelle: TT Games]

Aller Anfang ist schwer

Nach diversen (Lizenz-)Titeln wie "Lego Star Wars" oder "Lego Marvel Avengers" haben die Herrschaften sich nun also den nächsten, längst überfälligen Clou ausgedacht (und sich hierbei u.a. Minecraft zumVorbild genommen). Ein Lego-Spiel bei dem man sein eigener Bauherr ist und seine ganz eigene Fantasie-Welt zusammen bauen darf? Klingt erstmal nicht schlecht? - Mal schauen was sich dahinter verbirgt.

Kaum hat das Spiel angefangen wird einem klar: „Hier läuft es anders ab als erwartet“. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Lego-Astronauten, der mit seinem kleinen Raumschiff abstürzt und somit auf einem neuen Planten landet. Der Aufprall war hart, sodass das Raumschiff unbedingt repariert werden muss, um weiter fliegen zu können, es will also mit goldenen Bausteinen "gefüttert" werden. So viel zur Geschichte in Lego Worlds. Mehr gibt es nicht zusagen. Unsere Aufgabe besteht zu Beginn darin hundert goldene Bausteine zu sammeln. Erst nach dieser Hürde dürfen wir uns ins freie Spiel starten. Bevor wir also den ganzen Umfang des Spiels ausschöpfen können, müssen wir erst einmal sammeln gehen. So werden wir immer wieder auf unterschiedliche Welten bzw. Planeten geschickt. Die ersten drei Welten geben einen Einblick in die Spielmechaniken und dienen als Tutorial. Die Welten werden dabei prozedural generiert. So trifft man vielleicht auf eine Pirateninsel samt Piratenschiff, ein anderes Mal findet man sich in einer märchenhaften Süßigkeiten-Welt, in der man zwischen Muffins und Wackelpudding nach Anregungen und Goldblocks sucht. Selbst die NPCs auf die man trifft sind willkürlich in die Welt gesetzt worden und dienen als Quesgeber für einen dünnen roten Faden. Jeder möchte etwas anderes von uns. So müssen wir zum Beispiel, verschiedene Häuser oder Gegenstände bauen, den Auftraggeber vor Gefahren beschützen oder uns auf die Suche nach selten Kreaturen machen. Es gibt immer etwas zu tun und als Dank erhalten wir einen goldenen Baustein, der uns jedes mal ein Stück näher Richtung eigener Welt bringt.  

Es kommt doch auf die Größe an ;) [Quelle: TT Games]
Es kommt doch auf die Größe an ;) [Quelle: TT Games]

Natürlich gibt es auch neben diesen Quest einiges zu tun. Wir wollen ja schließlich auch Ideen sammeln. Somit haben wir unterschiedliche Gebrauchsgegenstände auf die wir in einem Kreismenü zurückgreifen können. Das Wichtigste zu Beginn ist es, sämtliche Gegenstände die wir in unsere Umgebung sehen, wie zum Beispiel Blumen, Tiere, Inneneinrichtungen und Fahrzeuge zu erkunden. Diese werden dann gespeichert und wir können diese jederzeit anwählen und ebenfalls zu jeder Zeit in die Spielwelt einfügen. So möchten wir zum Beispiel eine Blumenwiese unterhalb eines Berges? Einfach die Blumen anwählen und in die Landschaft pflanzen. Das selbe gilt für Häuser und andere Gegenstände. Findet ihr in einer Welt beispielsweise ein Baumhaus, so könnt ihr es kopieren und später in die Welt einarbeiten. Dieses Sammeln von „Bauplänen“ wird eure Hauptaufgabe sein, damit man für den späteren Spielverlauf schon eine gewisse Auswahl an baubaren Gegenstände hat.

Selbstverständlich lässt sich auch die Landschaft an sich verändern. Somit könnt ihr ganze Gebirge samt Täler und Flüssen kreieren, Wüsten, Schneelandschaften oder eine Wasserwelt - hier ist alles möglich. Ist euch ein Hügel im Weg oder benötigt ihr eine Brücke um über einen Lavafluss hinwegzukommen? Baut es einfach. Vielleicht habt ihr auch Lust auf ein Sumpfgebiet - vielleicht sogar mit Zombies? Lego Worlds macht es möglich. Ihr könnt so tief und so hoch bauen wie ihr es für richtig haltet. Farben können auch zu jeder Zeit geändert werden. Ihr könnt alles eurer Vorstellung anpassen - Das Interessante daran ist: Jede Figur und jeder Gegenstand entspringt einer Serienkollektion von Lego und man kann sie wirklich so kaufen.

Seid ihr also in der ein oder anderen Welt unterwegs werdet ihr auch Truhen in unterschiedlicher Größe finden. Diese enthalten unterschiedliche Mengen Spielwährung. Leidet ihr unter Geldsorgen könnt ihr aber auch gegen einzelne Gegenstände schlagen, dann lassen diese Geld fallen. Haut aber nicht zu oft drauf sonsten geht der Gegenstand kaputt und fällt auseinander. In den besagten Truhen könnt ihr auch Baupläne, Waffen oder Instrumente finden. Es lohnt sich also wirklich alles gründlich zu erkunden. So findet ihr beispielsweise eine Paintball-Pistole, mit der ihr euch gegen herumirrende Zombies wehren könnt. Spielt ihr ein Instrument, so werdet ihr bemerken, dass andere Figuren um euch herum anfangen zu tanzen. Die Animationen sind dabei sehr schön anzusehen und werden euch hin und wieder ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Interagiert also mit eurer Umwelt. Habt ihr mal keine Lust zu Fuß unterwegs zu sein, dann nehmt einfach ein Auto, Motorrad oder sogar ein Boot. Macht das was Spaß macht.

Terraforming? Ehrensache! [Quelle: TT Games]
Terraforming? Ehrensache! [Quelle: TT Games]

 

Die Liebe/Der Teufel steckt im Detail

Klingt ja bislang wirklich alles sehr schön und dient wunderbar zur Ideenfindung. Dennoch muss man sagen dass es ein langwieriger Prozess ist, bis man alle hundert goldene Bausteine hat. Erst dann kommt man eigentlich in den vollen Genuss aller Möglichkeiten im Spiel und den erhofften virtuellen Lego-Baukasten den man komplett nach seinen eigenen Wünschen und Vorstellungen bearbeiten darf. Bis dahin ist es eben ein langer Weg mit vielen Entdeckungen.

Durch die Vielzahl unterschiedlicher Bausteine, die einem zur Verfügung stehen, können Gegenstände nach eigenem Geschmack wirklich sehr detailgetreu zusammengestellt werden. Hier kann man selbst auf Feinheiten sehr viel Wert legen. Doch Geduld muss man mitbringen, denn was einfach aussieht kann einen schon mal zur Verzweiflung bringen. Mitschuldig daran ist die Steuerung, die öfter mal nicht ganz so will wie man es gerne möchte. So kann es schon einmal passieren, dass verschiedene Abstände nicht passen oder aber man schnell auf den falschen Knopf drückt und den Baustein falsch platziert. Aber Geduld ist ja bekanntlich eine Tugend und Übung macht den Meister. Zwei Aussagen, die hier genau ins Schwarze treffen.

Rein optisch gesehen, kann man nicht meckern. Ihr findet hier eine kunterbunte Welt vor, mit Liebe zum Detail entworfen. Die Welten und Landschaften wirken lebendig und überall gibt es etwas Interessantes zu entdecken. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen wie es die Entwickler geschafft haben die Landschaften so lebendig wirken zu lassen. Hinzu kommt die Tatsache, dass (von den Lichtverhältnissen abhängig) die Bausteine echt aussehen. Sie passen eins zu eins aufeinander - eben so, als hätte man sie tatsächlich in der Hand. Bei so einem riesigen Spielumfang wundert es jedoch nicht, dass das Spiel auch hin und wieder Macken aufweist. Somit kann es immer wieder zu wirklich miesen Clippingfehlern kommen. Ein Beispiel: Ist man in einer unterirdischen Höhle unterwegs und öffnet hier eine Truhe kam es im Test vor dass wir anschließend in de Welt feststeckten. Glitches und Ruckler stehen natürlich auch auf der Tagesordnung. Hinzu kommt die teilweise echt störrische Kamera - sicherlich kann man sie während des ganzen Spiels frei justieren, dennoch hat sie hin und wieder ihr Eigenleben. Verwunderlich ist so etwas schon. Immerhin waren die letzten Lego-Games technisch recht sauber programmiert. Offenabr mach thier die offene Sandbox den Unterschied.

TT Games, Meister des Couch-Koop [Quelle: TT Games]
TT Games, Meister des Couch-Koop [Quelle: TT Games]

 

Couchkoop oder Online

Wenn man mal keine Lust mehr hat alleine die Welten unsicher zu machen kann jederzeit ein weiterer Spieler per Splitscreen lokal einsteigen oder man holt sich online einen Mitspieler dazu. Nachteil hierbei ist jedoch, dass nur der Hauptspieler, also der Host, die erspielten Errungenschaften behält. Die Mitspieler gehen hierbei leider leer aus.

Die Steuerung und Menüführung ist nicht gerade einfach oder übersichtlich und wird den wenigsten Spielern direkt flüssig von der Hand gehen. Nach ein paar Spielstunden sollten dies keine Probleme mehr machen. Bis dahin muss hilft üben, üben, üben. Hin und wieder fühlt man sich schon ein wenig alleine gelassen, da manche Erklärungen einfach nicht vorhanden sind oder eben nur oberflächlich angedeutet werden. Hier gilt dann „learning by doing“ oder „Dr. Google“, in Anbetracht der durchaus auch jüngeren Zielgruppe ein kleines No Go.

FAZIT

Lego meets Minecraft mit Schönheitsfehlern

Wer auf wunderschöne, bunte und ansprechende Spielwelten steht, ist bei Lego Worlds genau richtig. Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt, weshalb man ruhig sagen kann dass dieses Spiel unendlich lang gespielt werden kann. Städte und Landschaften können immer wieder neu entworfen, zusammengestellt oder einfach platt gemacht werden. Mit dem besten Freund die Spielwelt unsicher machen, auf Krokodilen reiten oder mit dem Polizeiboot und lauter Sirene durch das Wasser rauschen - Gelächter ist vorprogrammiert. Durch diese wunderschöne Optik und den potentiellen Ideenreichtum, kann man bei einigen Mankos auch einmal ein Auge zudrücken. Schließlich kann man nun endlich sein eigenes Lego-Imperiun aufbauen ohne dafür großartig viel Platz im Wohnzimmer zu machen oder morgens auf herumliegende Legosteine zu treten. (Anmerk. der Redaktion: Nach dem Männerschnupfen der schlimmste Schmerz der Welt). Die Atmosphäre saugt einen ein und nimmt den Spieler mit auf eine wundervolle - fast märchenhafte - Reise. (SG)

Gesamtwertung:  7

Wertungen  
Grafik 6 / 10
Sound  8 / 10
Steuerung 6 / 10
Gameplay 7 / 10
Multiplayer 7 / 10 
Singleplayer  7 / 10 


We Love...

  • Detailreiche und abwechslungsreiche Welten
  • Ein "richtiges" Lego-Spiel
  • Originalbausets mit Wiedererkennungswert
  • Spielfreiheit ohne Zeitdruck

We don't Love...

  • Hin und wieder Clippingfehler und Ruckeln
  • Anfangs unübersichtlich Steuerung und Menüführung
  • Informantionsarmut
  • Unnötig in die Länge gezogener Einstieg


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