Kane & Lynch im Just-Nerds Test: Kaputte Typen im spielbaren Tarantino-Film

Quelle: IO Interactive
Quelle: IO Interactive

 

Es gibt Zeiten im Leben, da läuft einfach alles besch….eiden. Adam Marcus alias Kane kann davon ein Lied singen. Die Frau lässt ihn sitzen, seine Tochter hat er seit Jahren nicht gesehen, er wird des Mordes beschuldigt und just in diesem Moment sitzt er in einem Gefängnisbus und wird in die Todeszelle verlegt. Life sucks. In dieses Szenario versetzt euch Eidos in seinem neusten Actionspiel, entwickelt von den Hitman-Erfindern IO Interactive aus dem schönen Dänemark. Frei nach Shakespeares Dänenprinz Hamlet und seinem berühmten Ausspruch “Sein oder nicht sein” liegt es nun am Spieler diese Frage für Kane zu entscheiden.

 

Eine auswegslose Sache?

Adam Marcus ist ein liebender Familienvater, zumindest solange, bis sein damals zwei Jahre alter Sohn seine Dienstpistole findet und durch einen sich lösenden Schuss stirbt. Seine Frau wirft Adam vor am Tod des Sohnes die alleinige Schuld zu tragen und verlässt ihn mitsamt der Tochter. Allein gelassen und voller Trauer schließt Adam sich der Söldnerelitetruppe “The 7″ an und wird zu Kane. The 7 sind eine weltweit operierende Einheit bezahlter Soldaten, skrupellos und profitgierig. Doch auch hier wird Kane vom Pech verfolgt. Bei einem Einsatz in Venezuela geht alles schief. Die Truppe wird aufgerieben, nur Kane überlebt. Kurz nach seiner Einreise in die USA wird er verhaftet und des Mordes an 25 venezuelanischen Staatsbürgern angeklagt. Ebenso wird ihm vorgeworfen die Beute aus diesem Einsatz auf die Seite geschafft zu haben. Das Urteil: Todesstrafe. Im Gefängnisbus, der euch in den Todestrakt verlegen soll, stellt sich euch ein Mithäftling namens James Seth Lynch vor. Wie sich bald herausstellt hat dieser seine Frau bestialisch ermordet und ist ein unberechenbarer Soziopath, zumindest wenn er seine Pillen nicht bekommt. Lynch schnauzt euch an ihr solltet euch festhalten und aufpassen, schon kurz danach überschlägt sich der Bus, offenbar hat Lynch Freunde, die ihn befreien wollen und auch ihr sollt euch anschließen. Nach eurer halsbrecherischen Flucht, die gleichzeitig auch als Tutorial dient, geben sich eure Befreier zu erkennen. Es sind … tja, das soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur noch soviel: Kane wird sich fortan, ,mit Lynch als Aufpasser an seiner Seite, einmal quer durch den Globus kämpfen, auf der Suche nach dem verlorenen Geld, und seiner Familie.

 

Das Gameplay

Wie schon erwähnt, wirft euch das Spiel ohne eine lange Einleitung gleich mitten ins Geschehen. Die oben erwähnte Flucht dient aber als “verstecktes” Tutorial und bringt euch die relativ einfache Steuerung näher. Ihr steuert im gesamten Spiel ausschließlich Kane aus einer etwas loseren Schulterperspektive. Haltet ihr den linken Schalter gedrückt, zoomt die Kamera direkt auf eure Schulter und ihr könnt eure Gegner präziser anvisieren. Diese Zoomperspektive ist in etwa vergleichbar mit Resident Evil 4. Ein weiterer wichtiger Punkt bei Kane & Lynch ist die Deckung. Wie schon im indizierten G… of W.. werdet ihr ohne Deckung nicht lange überleben. Anders als in Epics indiziertem Aliengeballer wird hier das Deckung nehmen nicht aktiv durch einen Knopfdruck ausgelöst, stattdessen presst sich Kane automatisch an eine Ecke oder eine Säule wenn ihr ihn mit dem linken Stick quasi dagegen laufen lasst. Hier kann es durchaus vorkommen, dass Kane sich an eine Ecke presst obwohl ihr eigentlich daran vorbeilaufen wolltet, allerdings passiert dies nur in den ersten paar Spielminuten. Viel gewöhnungsbedürftiger ist die mangelnde Genauigkeit eures Fadenkreuzes. Selbst wenn ihr euch an einen Gegner anpirscht und aus 5m euer Fadenkreuz genau mittig auf seinen Kopf zentriert könnt ihr davon ausgehen, dass euer Schuss nicht sitzt. Hier hilft entweder ein gezieltes “danebenhalten” oder einfach den Torso anvisieren und dann Blei in die Heide pumpen. Munition ist in der Regel keine Mangelware, da eure Mitstreiter ein wandelndes Munitionsdepot sind. Es empfiehlt sich aber, sich an die Steuerung zu gewöhnen, immerhin müsst ihr für einen Erfolg 47 Headshots landen (eine Hommage an Agent 47 alias Hitman, ebenfalls von IO Interactive). Klar kann man argumentieren “eine MP hat eben eine gewisse Streuung”, aber selbst eine, als sehr präzise geltende 9mm Beretta, verfehlt ihr Ziel auf kurze Distanz. Hier hätte man seitens der Entwickler etwas mehr Arbeit reinstecken sollen.

Wie schon angedeutet, seid ihr nicht alleine unterwegs. Neben Lynch begleiten euch noch bis zu zwei weitere Ex-Söldner aus Kanes alter Truppe, doch diese müsst ihr erst in den weiteren Missionen befreien … Kinderspiel für einen Söldner und einen Psycho. Habt ihr eure Truppe zusammen, könnt ihr euren Mitstreitern mittels eines rudimentären Befehlssystem Anweisungen geben. Dies beschränkt sich jedoch auf einfach Befehle wie z. B. Sammeln, Vorrücken und Deckungsfeuer. Dabei habt ihr die Möglichkeit sowohl einen Teambefehl zu geben als auch einzelne Mitglieder auszuwählen. Die bringt ein wenig Taktik in den bleihaltigen Alltag. Nötig sind diese Befehle nicht unbedingt, eure KI-Kameraden agieren recht selbstständig und nicht so suizidgefährdet wie man das aus anderen Shootern kennt. Wenn euch eure Wumme langweilt, habt ihr auch die Möglichkeit eure Waffe mit einem eurer Mitstreiter zu tauschen. Wer sich jetzt denken mag “Sch… auf KI ich ballere alles allein weg und meine Knarre gefällt mir”, der wird sich trotzdem über die Erste Hilfe seiner Mitstreiter freuen. Werdet ihr trotz aller Deckung doch mal von Kugeln durchsiebt, färbt sich euer Blickfeld erst schwarz weiß und ihr hört die Stimme eurer Tochter aus vergangenen Tagen, während ihr langsam in Richtung des weißen Lichts am Ende des Tunnels driftet. Eure Kameraden können dies jedoch verhindern, indem sie euch einen Drogencocktail injizieren. Der Haken an der Sache … passiert dies zweimal innerhalb kürzester Zeit geht ihr auch Ex. Merke: Drugs will kill you!!!! Die ist auch die einzigste Moralbotschaft, die euch im Spiel begegnet. Die selbe Gefälligkeit solltet ihr allerdings auch euren Mitstreitern erweisen, denn segnen die das Zeitliche, ist die Mission gescheitert. Etwas Abwechslung bieten auch die kurzen Abschnitte, in denen ihr euch hinter ein stationäres Geschütz klemmt bzw. hinter ein Geschütz, welches auf einem Jeep montiert ist.

 

Grafik und Sound

Zur Grafik lässt sich nicht viel sagen. Kane & Lynch lebt von seiner Atmosphäre und der “Chemie” zwischen den unfreiwilligen Partner Kane und Lynch und nicht von Eyecandy. Die Optik wirkt über weite Strecke recht texturarm und blass, aber wenn euch erstmal die Kugeln um die Ohren pfeifen oder ihr mitten in Lateinamerika zwischen den Fronten eines Bürgerkriegs agiert, übersieht man das gerne. Ein persönliches Highlight sind die kurzen Ladebildschirme. Hier starrt ihr zwar auf einen Ladebalken, aber dürft dabei kurzen Wortwechseln von Kane und Lynch lauschen … und die beiden nehmen kein Blatt vor den Mund. Selbst in der gelungenen deutschen Synchro stolpert man in beinah jedem zweiten Satz über ein S….- oder F…-Wort. Dafür ein dickes Lob an die Entwickler. Der Sound weiß auf ganzer Linie zu überzeugen. Die Waffen klingen angenehm unterschiedlich und schön druckvoll. Genauso muss eine Salve aus einem Maschinengewehr klingen, wie würde Lynch so schön sagen: “Sch…. auf die verf…. Nachbarn”

 

Multiplayer-Spaß?

Wer nur einen Silberaccount hat, darf sich freuen. Das Spiel bietet euch die Möglichkeit, die Missionen via Splitscreen im Koop zu spielen. Hierbei übernimmt einer die Rolle Kanes, der andere darf sich Lynch schnappen und mit ihm die Gegend unsicher machen. Naturgemäß sind hier Spieler benachteiligt, die nur einen kleinen Monitor oder Fernseher haben.

Online dürft ihr euch in einem Modus namens Fragile Alliance austoben. Dabei übernimmt jeder Spieler einen Bankräuber mitsamt Beute und gemeinsam heißt es dann, mit der Kohle zu fliehen. Der Clou dabei: Ihr könnt eure Mitstreiter hintergehen und ihnen hinterrücks eine Kugel verpassen. Teilt man die Beute nur durch 4 oder 5 statt durch 8 bleibt nach Adam Riese einfach mehr für einen selbst übrig. Aber keine Sorge. Jeder Gemeuchelte erwacht auf Seiten der Polizei wieder. Da sind fiesen Rachegelüsten Tür und Tor geöffnet – ein herrlicher Spaß. (SH)

 

FAZIT

I love those guys

Wer bereit ist sich an die Steuerung zu gewöhnen, über die fehlenden Texturen wegsieht und sich nicht an derben Dialogen stört wird hier seinen Spaß haben. Kane und Lynch erinnern an gute alte Stirb langsam: Jetzt erst recht oder Lethal Weapon-Zeiten. Die Dialoge sind fies, hart und derbe. Den Volljährigen Spieler wird’s freuen, das Ganze ist absolut uncut.

Trivia: – Verfilmung geplant (meine Wunschkandidaten: Bruce Willis als Kane und John Malkovich als Lynch).Komplettkollektion hätte der Götterklopperei besser zu Gesicht gestanden. Davon unabhängig ist Kratos für mich nach wie vor Genrereferenz im Hack'n Slay Bereich. Sorry Dante, tut mir Leid Bayonetta, aber den wuchtigen Kombos des Geist von Sparta könnt ihr nicht das Wasser reichen. Kratos ist brutal und gnadenlos und jede Attacke von ihm fühlt sich auch dementsprechend wuchtig an. So muss Hack'n Slay sein.

Wertungen

Grafik 7 / 10
Sound  8 / 10
Steuerung
7 / 10
Gameplay 8 / 10
Multiplayer 8 / 10
Singleplayer  7 / 10 

Gesamtwertung: 7/10


AWARD

/



We Love...

  • herrlich abgefuckte Hauptdarsteller
  • interessante MP-Modi

We don't Love...

  • unpräzise Steuerung
  • Grafikfehler wie fehlende Texturen


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Zuerst veröffentlicht auf next-gamer.de am 18.08.2008