Fallout 4 im Just-Nerds Test: Exklusivinterview mit dem letzten Überlebenden aus Vault-111

Quelle: Bethesda
Quelle: Bethesda

Wir hatten euch ja ein Review versprochen. Leider hatten wir dazu keine Zeit. Als Alternative konnten wir aber den letzten Überlebenden aus Vault 111 für ein Interview gewinnen. Exklusiv für just-nerds.de ;)

 

just-nerds.de: Guten Tag Mr. Strange, vielen Dank dass sie sich die Zeit genommen haben für dieses Gespräch. Immerhin sind sie ja mit dem Wiederaufbau des Commonwealth ausgelastet.


Mr. Strange: Hallo, nichts zu Danken. In gewisser Weise ist dass ja auch Werbung für unsere neuen Siedlungen.


just-nerds.de: Ok, kommen wir zur ersten Frage. Erzählen Sie unseren Lesern doch mal ein wenig von sich und wie es dazu kam dass sie der offenbar einzig Überlebende aus Vault 111 sind?


Mr. Strange: Na ja so ganz der einzige Überlende bin ich ja nicht, aber dazu später mehr. Ja wie kam es dazu..sehen Sie, ich habe mit meiner Frau und meinem Sohn in Sanctuary Hills gelebt. Kleines Häuschen im Vorort von Concorde und Cambridge. Wenn Sie so wollen „my private little paradise“. Wir hatten einen Haushaltsbot und das Leben in meiner kleinen Welt war perfekt. Eines Tages stand dann ein Vertreter von Vault-Tec vor der Türe und teilte mir mit dass meine Familie ausgewählt wurde für ein Zivilschutzprogramm. Im Falle eines Atomkriegs würden wir einen garantierten Platz im nahegelegenen Vault-Tec-Bunker bekommen. Er führte eine kleine Befragung durch zu meinen Vorlieben und Fähigkeiten, um zu gewährleisten dass wir gut in die Bunkermannschaft passen würden. Na ja und wie er so unsere Unterlagen fertig macht heulten auf einmal die Luftschutzsirenen los. Sie können sich vorstellen dass direkt darauf das Chaos ausbrach. Alle Einwohner der Siedlung rannten in die Berge, wo der Eingang zum Vault lag. Das Militär und Vault-Tec waren bereits vor Ort und kontrollierten streng dass nicht jeder die Bunker betreten konnte. Meine Familie und ich hatten Glück, der Vertreter von Vault-Tec weniger (Anm.d.Red.: an dieser Stelle verkniff sich Mr. Strange ein fieses Grinsen).


just-nerds.de: Und wie ging es dann weiter?


Mr. Strange: Nun ja der Rest ist Geschichte. Noch während sich die Plattform des Aufzugs absenkte konnten wir über Boston den Atompilz sehen. Das war buchstäblich in letzter Sekunde. Im Vault angekommen folgte die obligatorische Entseuchung und, entgegen meinen Erwartungen, wurden wir nicht in eine Unterkunft sondern zu Kryoröhren gebracht und eingefroren.


just-nerds.de: Damit war dann ja alles gut, aber wie kam es dass nur Sie überlebt haben?


Mr. Strange: Ich weiß es nicht genau. Es muss wohl eine Fehlfunktion gewesen sein denn ich kann mich erinnern dass ich auf einmal aufgewacht bin. Durch die beschlagene Scheibe meiner Kühlkammer konnte ich sehen wie die Vault-Tec-Forscher die Röhre meiner geliebten Frau öffneten. Sie entrissen ihr unseren Sohn und als sie sich wehrte haben sie sie kaltblütig erschossen.


just-nerds.de: Und sie mussten hilflos zusehen?


Mr. Strange: Ja, hilflos eingesperrt. Ein Alptraum. Wenige Sekunden später setzte der Kälteschlaf wieder ein. Es war ein Segen und mein letzter Gedanke war: Bitte lass dass alles einen Alptraum gewesen sein. Leider war es keiner wie sich später zeigte.

Als ich endgültig aufwachte fand ich nur noch meine tote Frau vor, unser Sohn war verschwunden.

Ich habe also den Vault erkundet und außer einigen mutierten Riesenkakerlaken war dort unten alles tot. Ich wusste ja nicht was mich an der Oberfläche erwarten würde aber ich wusste: irgendwo dort oben könnte mein Sohn noch am Leben sein. Also ging ich nach oben.

Schnappschuß einer seltenen und tödlichen Todesklauel.  [Quelle: Bethesda]
Schnappschuß einer seltenen und tödlichen Todesklauel. [Quelle: Bethesda]


just-nerds.de: Dort stellten Sie dann fest dass Boston und das Commonwealth in Trümmern lagen, die Menschheit quasi ausgerottet wurde und von hirnlosen Ghulen, Supermutanten und mutierter Flora und Fauna bevölkert wurde.


Mr. Strange: Genau. Ich habe mich erst mal, vermutlich aus Gewohnheit, nach Sanctuary Hills begeben. Dort traf ich auf unseren alten Haushalts-Bot. Der funktionierte tatsächlich noch und brachte mich zunächst auf den neusten Stand. 200 Jahre waren vergangen. 200!! Dass müssen Sie sich mal vorstellen. Im schlimmsten Fall könnte mein Sohn bereits 199 Jahre alt sein bzw. ebenfalls längst verstorben. Aber als Vater hatte ich einfach das Gefühl dass er noch am Leben sein muss. Codsworth...


just-nerds.de: Ihr Bot?


Mr. Strange: ..ja mein Bot. Also Codsworth schickte mich dann erst einmal Richtung Concorde. Er meinte es gäbe dort noch Menschen. Auf dem Weg dahin traf ich dann auch auf meinen ersten Begleiter. Den ersten in der Reihe von vielen Weggefährten. Dogmeat, ein Schäferhund. Gemeinsam haben wir uns auf den Weg nach Concorde gemacht wo wir direkt in unseren ersten Kampf gerieten. Eine Bande Raider, Outlaws, belagerte ein paar Unschuldige. Ehrensache dass wir da geholfen haben. Danke meiner Zeit beim Militär war ich ja in der Handhabung der meisten Waffen geschult. In Verbindung mit meinem Pip-Boy, dem Handgelenk-Computer, schien es mir als würde die Zeit sich extrem verlangsamen.


just-nerds.de: Also wie bei den ganzen Chems die hier im Ödland gehandelt werden und süchtig machen?


Mr. Strange: Ja genau so, nur ohne Nebenwirkung. Jedenfalls kam mir das Geschehen wie in Zeitlupe vor während der Pip-Boy die Trefferzonen meines Gegner analysierte und mir die prozentuale Trefferchance anzeigte. Auf diese Art konnte ich den schnellen Ghulen gezielt die Beine weg ballern und den Raidern mit einem Kopfschuss den ewigen Frieden schenken. Wie sich dann herausstellte waren die Belagerten ein Überbleibsel der Minutemen. Quasi einer Polizeitruppe des Ödlands. Ich schloss mich ihnen an und der Rest ist Geschichte.


just-nerds.de: Geschichte im wahrsten Sinn des Wortes. Sie waren später auch Mitglied der Brotherhood of Steel, der Railroad und anderer Gruppierungen?


Mr.Strange: Ja ich habe in allen Revieren gewildert. Nur so konnte ich am Ende mein Ziel erreichen und wieder so etwas wie Zivilisation aufbauen. Die Brotherhood und ihre Power Armor waren da ein nützliches Werkzeug. *grinst*


just-nerds.de: Ok, lassen Sie uns noch ein wenig über das Commonwealth sprechen. Wir können an Hand alter Aufzeichnungen verstehen wieso sie damals hergezogen sind. Aber jetzt? Was hält sie jetzt hier?


Mr. Strange: Ach wissen Sie, es sind die vielen kleinen Dinge. Klar ist dank der Strahlung nicht alles ultrascharf und manches wirkt ein wenig verschwommen. Aber nennen Sie mich verrückt, wenn einer der Strahlenstürme die Welt in hellen Nebel taucht oder ein radioaktives Gewitter den Himmel grün färbt..das sind einfach wahnsinnig stimmige Momente die man in der Form kaum irgendwo zu sehen bekommt. Dazu die Architektur, die zwar teilweise nur noch in Trümmern liegt aber gerade die großen Bauten wie Unis und Bibliotheken haben ja dem Beschuss stand gehalten und zeugen nach wie vor von der Baukunst des 20sten Jahrhunderts. Ich mag diese Mischung als altenglischen und modernen amerikanischen Stilen. Wenn sie durch die Ruinen streifen dann begegnet einem überall Geschichte. Sei es in einem gehackten Terminal, gefundenen Zeitschriften oder durch Gespräche mit Zufallsbegegnungen. Das ganze Land erzählt Geschichten, da kann man sich sprichwörtlich darin verlieren und gerät in Versuchung das große Endziel aus dem Auge zu verlieren. Außerdem bietet das Commonwealth einen guten Mischmasch aus Wäldern, Seen, Großstadt und dörflichen Vororten.

Schaltet man dann mal das Radio des Pip-Boy ab, mit dem man dann und wann auch Notsignale empfängt, dann hat man Natur pur. Außerdem hört man so schon von Weitem wo die nächste Schießerei auf sich warten lässt.


just-nerds.de: Schießerei ist ein gutes Stichwort. Wie ich an ihrer Rüstung und ihren Waffen sehen sind sie mit einem Bastlergen gesegnet?


Mr. Strange: Ja ich gestehe, ein kleiner Handwerker ist schon an mir verloren gegangen. Ich hatte ja auch keine andere Wahl. Je weiter ich nach Süden vordrang desto härter wurde die Gegenwehr. Da blieb mir nichts anderes übrig als die ganzen Knarren zu modifizieren und zu pimpen. Das selbe galt für meine Rüstungen. Nur so hatte ich eine Chance dort unten im Süden zu überleben. Sie wissen ja wie dass beim Handwerken ist, fängt man einmal damit an ein Zielfernrohr zu wechseln ist das nächste Projekt dann der Umbau des Laufs, des Magazins, der Anschläge und so weiter. So wird dann eben aus einer schlichten 10mm Wumme ein „Todbringer Deluxe“.

Selbst die kleinste Siedlung beginnt mit dem ersten Haus. [Quelle: Bethesda]
Selbst die kleinste Siedlung beginnt mit dem ersten Haus. [Quelle: Bethesda]

 

just-nerds.de: Aber damit nicht genug, sie haben ja auch ganze Siedlungen aufgebaut.

 

Mr. Strange: Ja, zwangsweise. Es gab ja nur noch wenig Infrastruktur, abgesehen von großen Ansiedlungen wie Diamond City. Die ganzen kleinen Siedlungen im Umland waren auf sich selbst gestellt. Ich habe ihnen geholfen und sie unter das Banner der Minutemen versammelt. Selbstredend musste dann auch viel Aufbauarbeit geleistet werden. Dank der Einrichtung von Versorgungsrouten konnte ich den ganze Schrott und die Ressourcen zentral lagern und dann in den Siedlungen darauf zu greifen. Neben den offensichtlichen Bedürfnissen nach Lebensmitteln, sauberem Wasser und Schutz konnten wir so auch Wände hochziehen und die Siedlungen zu waffenstarrenden Vorposten ausbauen die den Bewohnern ein friedliches Leben ermöglichen.

 

just-nerds.de: Manche behaupten ja ihre zu Beginn friedliche Mission sei mittlerweile einer Terrorherrschaft gewichen. Der Bau ihrer Todesfestung scheint dies noch zu untermauern. (Anm.d.Red.: Video dazu folgt in Kürze)

 

Mr. Strange: Ich bitte Sie, Terrorherrschaft ist vielleicht übertrieben, aber nach all dem Theater mit Synths, Todeskrallen, Supermutanten und dem Gesocks war mir klar dass Friede nur dann existiert wenn man härter und schneller zuschlägt als sein Gegner. Wie sagte schon der römische Gelehrte Cicero: Si vis pacem para bellum. (Anm.d.Red.: Willst du Frieden dann rüste dich für den Krieg).

 

just-nerds.de: Klingt nach einem Diktator wenn Sie mich fragen.

 

Mr. Strange: Nun ich frage Sie aber nicht, und damit ist das Interview beendet. Mein Leibwächter, Mr. Strong, wird Ihnen noch ein wenig von meiner...Behausung zeigen...ich wette Sie finden den Keller extrem „spannend“, aber ich habe vollstes Vertrauen in dass Mr. Strong sie nicht lange „auf die Folter spannen“ wird. Leben Sie wohl. 

 

Anmerkung der Redaktion: Kurz nach dem Interview erreichte uns ein fleckiges, verschmutztes Stück Papier mit der Kündigung unseres Redakteurs. Wir dachten im ersten Moment ja es sind Blutflecken auf dem Papier aber Mr. Stranges reizende Begleiterin machte uns deutlich dass es wohl nur Ketchup war. Jedenfalls suchen wir seitdem einen neuen Redakteur....Bewerbungen bitte via Kontakformular...Ach ja.... lang lebe Strange!! (SH)

 

FAZIT

Raus aus aus dem Bunker, rein ins Chaos

Was für ein Monster von Spiel. Fallout 4 steht ganz in der Tradition der übrigen Bethesda-RPGs. Das gilt im Guten wie im Schlechten. Auf der Haben-Seite stehen die glaubhafte, postapokalyptische Welt, vollgestopft mit liebevollen Details und Anspielungen. Auf der Negativliste steht, wie bei nahezu jedem Sandbox-RPG seit Morrowind und Co, der zwar vorhandene aber leicht verlierbare rote Faden. Gerade als altmodischer RPGler schafft man es kaum der Hauptstory zu folgen. An jeder Ecke wartet eine Ablenkung, lockt eine Ruine verführt einem ein Schemen in der Ferne zur Erkundung und wieder ertappt man sich dabei dass man 20h gespielt hat, aber der dabei nicht eine Hauptquest absolviert hat. Gerade für berufstätige Wochenendspieler stellt so was ein Problem dar und ich wage zu behaupten, Fallout 4 ist ein Spiel aus der Kategorie „x-hundert Stunden gespielt aber nie durchgespielt“, schlicht weil man sich in der Welt einfach verlieren kann. Natürlich kann man Bethesda auch einige Macken ankreiden. Texturen sind unscharf und erinnern technisch an Fallout 3, in der 3rd-Person-Ansicht wirken die Animationen abgehackter als bei einem 80er B-Boy und das Inventar leidet unter den Bethesda-typischen Chiffree-Abkürzung. All dass ist aber vergessen wenn man im Ödland auf einem Hügel steht und ein Strahlengewitter aufziehen sieht oder man des Nachts an einem leuchtenden, verstrahlten Tümpel campiert. Dazu spendierte man uns einen Baumodus der zwar unglaublich frickelig zu bedienen ist und mit einem recht undurchschaubaren Rohstoffsystem aufwarten kann, allerdings auch das Minecraft-Gen in uns anspricht. So ertappe ich mich regelmäßig dabei stundenlang Rohstoffe zu farmen um meine eigene „Festung der Einsamkeit“ weiter auszubauen und stelle dann erstaunt fest dass aus dem „nur mal eben schnell..“ schon wieder 2 Uhr Nachts wurde. Wenn eine Spielwelt es schafft mich so zu fesseln und einzusaugen dann kann ich auch über technische Mängel hinweg sehen.



Gesamtwertung: 8,5 / 10

Wertungen

Grafik 7 / 10
Sound  8 / 10
Steuerung
8 / 10
Gameplay 9 / 10
Multiplayer 0 / 10
Singleplayer  9 / 10 

Award





We Love...

  • unglaublich liebevoll ausgearbeitete Spielwelt (Enviromental Storytelling)
  • charismatische Begleiter...
  • gelungene Lichteffekte
  • NPC's reagieren auf den Spieler (z.B. zu erledigten Quests)
  • gute deutsche Sprachausgabe
  • Gunplay deutlich besser als in den Vorgängern
  • toller Humor, tolle Dialoge
  • eine Vielzahl an sinnvollen Perks
  • Häuserbau-Feature weckt das Minecraft-Gen
  • umfangreiches Waffen-/Rüstungscrafting
  • kaum Abstürze und typische Open-World-Bugs (PS4)

We don't Love...

  • technische Ungereimtheiten (Clipping, Popups)…,
  • die sich allerdings sehr blöd verhalten (Gut, dass sie unsterblich sind)
  • steife Animationen in Thrid-Person-Ansicht
  • Bildrate geht gerade in Innenräumen spürbar in die Knie
  • Dialogsystem fühlen sich beschnitten an (nur Charisma zählt, kein Karmasystem mehr)
  • fummelige Steuerung im Baumodus (Häuserbau-Feature)
  • Schwierigkeitsgrad „Überleben“ extrem abgeschwächt (nur verringerte Heilung + höherer Schaden durch Gegner)
  • Fallout-typisch stimmiger aber überhasteter Einstieg

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