Deus Ex - Mankind Divided im Just-Nerds Test: Apartheid am eigenen Leib erleben.

Quelle für alle verwendeten Bilder: Square Enix

Vor ungefähr fünf Jahren schickte uns Deus Ex: Human Revolution auf einen Trip in eine dystopische Zukunft, in der die Verschmelzung von Mensch und Maschine im Mittelpunkt stand. Mit Mankind Divided steht nun der Nachfolger in den Regalen und der Name ist hier Programm.

 

Es war einmal..

Disclaimer: Der nachfolgende Abschnitt geht noch einmal auf die Ereignisse des Vorgängers ein und enthält dementsprechend Spoiler für Human Revolution.

Die meisten von euch werden sicher damals den "Erstling" Human Revolution gespielt haben. Damals übernahmen wir die Kontrolle über den Security-Agent Adam Jensen und erlebten einen spannenden Cyberthriller vollgepackt mit Korruption, Intrigen, Terrorismus und natürlich den allseits beliebten Illuminaten. Human Revolution behandelte in Grunde die Frage wo Menschlichkeit endet und ob es wirklich erstrebenswert ist, Mensch und Maschine zu verschmelzen (noch dazu wo die gute Technik nur Privilegierten zugänglich ist). Human Revolution endete damals mit dem sogenannten Aug-Incident. Ein Vorfall, bei dem alle Augmentierten dank eines heimlich implementierten Virus Amok liefen.

Spoilerende

Waffen lassen sich "on the fly" modden.
Waffen lassen sich "on the fly" modden.

Mankind Divided setzt nun die Handlung direkt fort und greift, neben dem Vorgängerthema "Transhumanismus", das Thema Apartheid auf. Nach den Vorfällen von Human Revolution hat sich die Menschheit mehr denn je aufgespalten in Augmentierte (auch Optis genannt) und unbehandelte Menschen, sogenannten Naturals. Erneut übernehmen wir die Kontrolle über Adam Jensen. Dieser arbeitet nun allerdings nicht mehr für Sarif Industries sondern eine Spezialeinheit von Interpol. Bevor das eigentliche Spiel startet schickt man euch aber erst einmal nach Dubai. Dieser Einsatz dient damit auch gleich als Tutorial. Netter Bonus: wer den Vorgänger nicht gespielt hat kann sich eine ca. zehn minütige Zusammenfassung in Videoform anschauen. Ihr startet also, bereits mit einigen Upgrades eurer Tech, in einen vermeintlichen Routineeinsatz.

Deus Ex typisch beginnt das Spiel dann auch direkt mit einer ersten zu treffenden Entscheidung: Wollt ihr lautlos oder mit Krawumm vorgehen, nah ran an den Feind oder eher auf Distanz agieren? Dementsprechend erhaltet ihr eure erste Bewaffnung. Durchladen, entsichern und los geht's. Fortan habt ihr beinah volle spielerische Freiheit. Wollt ihr Rambo zum Kumpel? Dann ballert wild um euch. Ist Sam Snake euer Name dann schleicht und meuchelt euch heimlich durch das Areal. Zusätzlich habt ihr dabei immer die Wahl eure Gegner nur zu betäuben oder für immer zu entsorgen. Wer lieber komplett gewaltfrei agieren möchte kann auch versuchen alle Gegner einfach zu umgehen. Habt ihr die Tutorialaufgabe abgeschlossen geht es vom sonnigen Dubai ins Prag der Zukunft wo euch ein Bombenempfang bereitet wird - mehr wollen wir an dieser Stelle aber nicht von der Handlung verraten.

Polizeischikane? Für Optis leider Alltag.
Polizeischikane? Für Optis leider Alltag.

Die Qual der Wahl

Viel Spiele suggerieren dem Spieler eine Handlungsfreiheit, die er in Wahrheit gar nicht hat. An diesem Punkt hob sich Deus Ex schon immer angenehm von anderen Titeln ab. Natürlich steht Mankind Divided hier seinen Vorgängern in nichts nach, im Gegenteil.

Einer der großen Kritikpunkte von Human Revolution war, dass Schleicher bevorzugt wurden (gab mehr XP) und die Bosskämpfe so gar nicht zum Rest des Spiels passen wollten. So passierte es vielen Spielern dass sie im gesamten Level schleichend und heimlich vorgingen, dementsprechend "ihren" Adam Jensen geskillt hatten, nur um dann in einen Bosskampf zu kommen bei dem der Gegner nur mit Granaten zu besiegen war. Inkonsequentes Gamedesign, dem Umstand geschuldet dass die Bossfights von einem zweiten Studio entwickelt wurden. "Viele Köche verderben den Brei" traf nie treffender zu.

Diesen Fehler wiederholt Mankind Divided nicht. Ihr wollt euch durchballern? Dann tut es, es entsteht euch dieses mal kein Nachteil. Ihr wollt den Boss zur Aufgabe überreden? Viel Spaß dabei, mit den passenden Augmentierungen kein Problem. Nachfolgend haben wir euch eine kleine Minimission aufgedröselt als Paradebeispiel für die spielerische Freiheit.

Eure Aufgabe: Dringt bis zu einer Passfälscherin vor die sich in einem gesicherten, bewachten Bereich aufhält. 

  1. Ihr könnt nun eure Waffen zücken, die Wachen über den Haufen ballern, Lasersperren mittels Kugel abschalten und die Kameras mit der 9mm ausknipsen. Anschließend noch die Türe gesprengt und ihr seid am Ziel. 
  2. Alternativ quatscht ihr euch an den Bewachern vorbei und man geleitet euch zu der Dame. 
  3. Ihr könnt aber auch mittels Kiste über den Zaun klettern, euch an den Wachen vorbei schleichen oder sie heimlich ausschalten. Die Lasersperren umgehen und die Kamera hacken. Danach noch schnell den Computer übernehmen und die Türe entsperren. 
  4. Unser Ansatz war noch kreativer. Wir haben den Kofferraum eines nahestehenden Autos geöffnet was dessen Alarm ausgelöst hat. Die Wachen haben wie erwartet reagiert und mit gezückter Waffe die Lärmquelle untersucht. Eine nahe Polizeidrohne hat ebenfalls auf den Alarm reagiert und vor Ort die bewaffneten Wachen ausgemacht. In der Folge eröffnete die Drohne das Feuer auf die wachen und hat den kompletten Innenhof gesäubert. Als sie abgeflattert ist sind wir, eine fröhliche Melodie pfeifend, einfach über die Leichen spaziert und haben die Dame im ersten Stock aufgesucht.
Hack the Planet
Hack the Planet

 

Ihr seht an diesem Beispiel welche Freiheit euch Deus Ex an die Hand gibt und oft genug entdeckt ihr nach Abschluss einer Mission einen Alternativweg den ihr bislang gar nicht in Betracht gezogen hattet. Wiederspielfaktor: sehr groß.

 

 

 

 

 

Multitasking oder Fingerknoten

Irgendwie müssen eure kreativen Entscheidungen natürlich an euren Avatar weiter gegeben werden. Hier schwächelt Deus Ex ein wenig da die Steuerung bisweilen recht überladen wirkt. Doppelbelegungen sind obligatorisch. Nach einer Zeit gewöhnt man sich aber daran und hat die wichtigsten Aktionen intus. Häufig genutzte Aug-Fähigkeiten könnt ihr euch auch auf Schnelltasten legen. Natürlich ist die Verlockung groß Jensen zum allmächtigen Cybergott aufzurüsten. Da macht euch aber die Systemauslastung einen Strich durch die Rechnung. Augs benötigen Energie und je mächtiger die Fähigkeit desto mehr Energie belastet eure Systeme. So limitiert euch das Spiel und zwingt euch eure Fähigkeiten gezielt zu wählen.

Die eierlegende Cyberwollmilchsau gibt es also nicht. Allerdings könnt ihr jederzeit Augs deaktivieren und dafür andere aktivieren. An dieser Stelle kommen wir auch nicht drum herum das Thema Mikro-DLC anzuprangern. Neben einem Waffen- und Ausrüstungspack könnt ihr auch Ingame-Credits und Praxiskits (also Freischaltpunkte für Augs) gegen Cash kaufen. Habt ihr also keine Lust euch mühsam aufzuleveln und wollt von Beginn an gleich alle Skills freischalten dann nehmt Bargeld in die Hand und kauft euch die Skillpunkte. Wir finden jedoch, dass widerspricht irgendwie dem Sinn eines Rollenspiels.

Gleich tut's weh.
Gleich tut's weh.

Hack the Planet

Deus Ex hat keinen Multiplayermodus. Na ja zumindest keinen richtigen. Abseits des Storymodus erwartet euch der Breach-Mode. Dieser erinnert an die Virtual Missions von Metal Gear. Ihr spielt darin einen Hacker und bewegt euch als virtueller Avatar durch das Netzwerk um Daten zu bunkern. Das Gameplay wurde dabei 1:1 vom Hauptspiel übernommen. Der Look ist extrem limitiert und erinnert ein wenig an Tron und Co. Dem Multiplayeraspekt wird dabei durch Highscore- und Zeitvergleich Rechnung getragen. Nett aber braucht man eigentlich nicht, und damit meinen wir den Vergleich, denn die Breachmissionen sind durchaus nett für eine kurze Runde zwischendurch und mit kleinen Minigeschichten auflockernd in Szene gesetzt.

 

And the winner is...

Ein besonderes Lob möchten wir an dieser Stelle den Leveldesignern aussprechen. Zwar finden sich ab und an unscharfe Texturen aber das dystopische Prag wurde gelungen in Szene gesetzt. Gerade auch die Tatsache dass so viele Wege, Luftschächte, Tunnel und Hausdächer zum Ziel führen spricht für die Arbeit der Levelbauer.

Das Highlight des Spiels ist aber ganz klar die Atmosphäre. Kaum ein Spiel schaffte es bislang den Missstand "Apartheid" so gelungen einzufangen wie Deus Ex Mankind Divided. Hier ist der Name wirklich Programm. So erlebt ihr überall in den Straßen wie Augs schikaniert werden von der Polizei, ihr selbst werdet oft kontrolliert und müsst eure Papiere vorzeigen. Betretet ihr eine Bar werdet ihr beschimpft und angepöbelt und steigt ihr in der Bahn ins falsche Abteil folgt unweigerlich die Kontrolle und Zurechtweisung durch die Staatsmacht.

Durch den Kniff auch euch, als Hauptfigur, solche Ungerechtigkeiten widerfahren zu lassen zieht euch Deus Ex schön tief in seine Welt. Hier schafft es der Titel durchaus mit Genrekönigen wie dem polnischen Hexer mitzuhalten.

FAZIT

Rassismus ist doof

Wow, Deus Ex schafft es wirklich dass ich mich mies fühle wenn ich zum wiederholten Mal von der Polizei schikaniert werde. Wenn ich sehe wie Augmentierte am Bahnhof einen eigenen Eingang benutzen müssen oder Passanten mich anpöbeln wenn ich einen Laden betrete. Mankind Divided, gespaltene Menschheit, trifft es hier wirklich wie Arsch auf Eimer. Selten hat ein Spiel die Themen Apartheid und Rassismus so glaubwürdig und packend aufgegriffen ohne dabei den Zeigefinger zu schwingen. Dazu die grandiose spielerische Freiheit, bei der ich mich oft ertappe wie ich einen Speicherpunkt lade nur um eine andere Vorgehensweise zu testen. Dazu eine handvoll Waffen inklusive Upgradesystem, coole Fähigkeiten und schick inszenierte Finisher. Die Story schwächelt zwar im Vergleich zum Vorgänger, dafür wirkt Mankind Divided runder und mehr „aus einem Guss“. Macht unterm Strich einen spannender Cyberthriller zum Spielen(SH)

 

Gesamtwertung:   8,5 / 10

Wertungen  
Grafik  8 / 10
Sound   8 / 10
Steuerung  7 / 10
Gameplay  9 / 10
Multiplayer  - / 10

Award




We Love...

  • Atmosphäre
  • Augmentierungen
  • spielerische Freiheit
  • Jensen ist ne coole Sau
  • Haufenweise Infos aus Mails und PDAs
  • egal ob schleichen oder ballern - ausbalanciert

We don't Love...

  • Steuerung braucht Einarbeitung
  • stellenweise unscharfe Texturen
  • Schriftgröße könnte größer sein

 




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