Nachruf: Er war Saruman, Dracula und Count Dooku: Hollywood-Legende Christopher Lee ist verstorben

Dracula machte ihn weltberühmt. Der unsterbliche Blutsauger war die Rolle der Christopher Lee zum Star machte. Nun verstarb der Schauspieler im Alter von 93 Jahren. Ein Nachruf.


1922 erblickte Sir Christopher Lee als Christopher Frank Carandini Lee das Licht der Welt. Seitens seiner Mutter entstammt er damit dem gräflichen Adelsgeschlecht der Caradini, das sich angeblich bis auf Karl den Großen zurückverfolgen lässt. Während des Zweiten Weltkriegs diente Lee in der Royal Airforce und einer nachrichtendienstlichen Spezialeinheit.

Seit 1947 stand der Brite vor der Kamera, erlebte seinen Durchbruch allerdings erst 1958 in einer Rolle, die ihn unsterblich machen sollte – im doppelten Wortsinn: Graf Dracula.

Den blutsaugenden Adeligen spielte Lee auch gleich sieben Mal unter der Schirmherrschaft der legendären Hammerstudios. In dieser Zeit entwickelte sich auch eine enge Freundschaft zu seinen Kollegen Peter Cushing und Vincent Price. Mit dem Schauspieler Boris Karloff und SFX-Legende Ray Harryhausen teilte er sich in den 1960er-Jahren sogar ein Haus in London. Ein achtes Mal verkörperte er den Vampirfürsten in einer spanisch-deutschen Verfilmung unter der Regie von Jess Franco.

Ab Mitte der 70er weigerte sich Lee, weiterhin in Dracula-Adaptionen zu spielen, aus Sorge auf diese Rolle reduziert zu werden. In einem Interview von 1989 sagte er, darauf angesprochen:

"Ja, Dracula war die Rolle, die mich berühmt gemacht hat, und dafür bin ich dankbar. Aber das ist dreißig Jahre her, und ich arbeite immer noch im Film und in allen denkbaren Arten von Filmen. Ich mag keine Schubladen. Im letzten Jahr habe ich fünf Filme gemacht (darunter war kein einziger Horrorfilm, Anm.) – wo ist nun das Image: Verschwunden? Es wäre verschwunden, wenn man die Fakten akzeptierte. Aber das ist ein Problem der Presse, nicht des Publikums. Aber das Publikum glaubt, was die Presse schreibt, auch wenn das nicht stimmt."


In den 60ern wirkte er außerdem, unsynchronisiert, in zwei deutschen Edgar-Wallace-Verfilmungen mit. Zwischen 1965 und 1969 verkörperte er den namensgebenden Dr. Fu Man Chu in fünf Sax-Rohmer-Verfilmungen.

1974 wurde er dann zum Gegenspieler des bekanntesten Geheimagenten der Welt. Als Profikiller Francisco Scaramanga, alias der Mann mit dem Goldenen Colt, stellte er sich 007 Roger Moore entgegen. Bond-Erfinder Ian Fleming hatte Lee anfangs auch als Dr. No oder sogar als James Bond vorgeschlagen. Mit 1,96m Körpergröße schien er der ideale Heldendarsteller.


1976 wurde Lee die Rolle als Dr. Sam Loomis in Halloween angeboten. Lee lehnte ab, worauf Donald Pleasance die Rolle bekam. Christoper Lee bezeichnete dies im Nachhinein als seinen größten Fehler.

Nach der Jahrtausendwende sah man Lee in der Rolle des Zauberers Saruman in der Herr-der-Ringe-Trilogie (wobei seine Szenen in Teil 3 nur in der Extended Edition zu sehen sind). In der folgenden Hobbit-Trilogie spielte er ebenfalls den Saruman. Nach eigenen Angaben war diese Rolle eine sehr große Ehre, immerhin war Lee der einzige Schauspieler des Casts der Tolkien noch persönlich kannte.


Des Weiteren verkörperte er den Sith-Lord Count Dooku und trat als vermeintlicher Anführer der Separatisten den Jedi entgegen. In seiner Laufbahn spielte Lee auch in mehreren Filmen unter der Regie von Tim Burton mit, unter anderem Sleepy Hollow, Dark Shadows und Charlie und die Schokoladenfabrik. Weitere markante Rollen hatte er in Die purpurnen Flüsse 2, Police Academy 7 und Gremlins 2.


Neben seiner Rolle als Schauspieler war Christopher Lee auch als Synchronsprecher tätig. Hier lieh er in der Neuverfilmung von Alice im Wunderland dem Jabberwocky seine Stimme. Auch als Synchronsprecher arbeitete er mit Tim Burton zusammen. So wurde in The Corpse Bride die Rolle von Pastor Galswells durch Lees Stimme noch markanter. Im eher unbekannten Trickfilm Walhalla sprach er gleich zwei Rollen, Thor und Odin. Dies war nicht der einzige Trickfilm den Lee synchronisierte. In dem bekannten Zeichentrick Das letzte Einhorn, verkörperte er den König Haggard. Wie auch schon in Walhalla wurde Lee in der dt. Version nicht synchronisiert sondern sprach die Rollen selbst auf Deutsch ein.


Christopher Lee spielte in über 280 Filme mit. Damit hält er den Guiness-Rekord als Schauspieler mit den meisten Credits.

Neben seiner Tätigkeit als Darsteller war Lee auch als Musiker aktiv. Er genoss eine Ausbildung als Opernsänger und war, vor seiner Zeit als Schauspieler, auch in diversen Opernhäusern zu sehen. Lee widmete sich aber nicht nur dem klassischen Gesang sondern arbeitet auch mit diversen Metalbands, darunter Rhapody of Fire und Manowar. Besonders erwähnenswert ist dabei das Album Charlemagne: By the Sword and the Cross. Ein Konzeptalbum über das Leben Karl des Großen. Beteiligt waren hierbei zwei Bands, ein 100-Mann Orchester sowie einige Gastmusiker. Dieses Album wurde 2010 mit dem Spirit of Metal Award des Metal Hammers ausgezeichnet. An seinem 90sten Geburtstag kündigte Lee eine neue Single namens "Let legend mark me as the King" an die eigenen Aussagen nach "100% Heavy Metal" sei. Mit einer Metalversion von Jingle Bells erreichte Lee in der Woche des 26.12.2013 den 22. Platz in den Billboard Top 100 Sales Charts, zu diesem Zeitpunkt war Lee bereits 91 Jahre und 6 Monate alt und war damit der älteste lebende Künstler, der sich je in den Charts platzierte.


Auch im Spiele-Bereich war Lee als Sprecher aktiv. So sprach er die Rolle des DiZ inKingdom Hearts und Lucan d'Lere im MMO EverQuest II.


Christopher Lee wurde im Juni 2009 von der Queen zum Knight Bachelor geschlagen und dufte fortan den Titel "Sir" tragen. Er sprach neben seiner Muttersprache Englisch auch weitere Sprachen fließend. Neben Französisch, Italienisch, Russisch, Spanisch, Portugiesisch, Swahili und diverser Urdu-Dialekte sprach Lee auch fließend Deutsch. Dies sei seiner persönlichen Liebe zur Musik Richard Wagners geschuldet, sagte Lee. Trotz seiner Erfolge war Christopher Lee ein sehr bodenständiger Mensch.


Sir Christopher Lee verstarb im Alter von 93 Jahren an den Folgen einer Herz- und Atemwegserkrankung. Er hinterlässt unter anderem seine Ehefrau, mit der er seit 50 Jahren verheiratet war.


Eine Legende stirbt nie wirklich, sagt man. Möge er in Frieden ruhen.

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Kommentare: 2
  • #1

    tschoeb (Samstag, 22 August 2015 19:30)

    Test

  • #2

    Nerissa Seely (Freitag, 03 Februar 2017 01:42)


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